Bis zu 80 Prozent der Frauen leiden in der Menopause unter Hitzewallungen, manche sogar jahrelang. Ausgelöst werden diese durch das natürliche, altersbedingte Absinken des Östrogenspiegels während der Wechseljahre. Dies stoppt nicht nur den Menstruationszyklus, sondern bringt auch die Thermoregulation des Körpers durcheinander. Gegen die Hitzewallungen verschreiben Ärzte in der Regel Hormonpräparate, die jedoch Nebenwirkungen haben können und aus gesundheitlichen Gründen nicht für alle Frauen geeignet sind. Mediziner suchen daher nach nicht-hormonellen Alternativen.
Hilfe gegen Hitzewallungen gesucht
„Es besteht ein enormer ungedeckter Bedarf an neuen Behandlungen für Frauen in den Wechseljahren, um ihre Hitzewallungen und Schweißausbrüche zu verbessern, die nachweislich die Produktivität am Arbeitsplatz sowie die beruflichen und privaten Beziehungen beeinträchtigen“, erklärt JoAnn Pinkerton von der University of Virginia (UVA). „Eines der lästigsten Symptome, die von vielen Frauen in den Wechseljahren berichtet werden, sind zudem Schlafstörungen. Diese können sich ebenfalls auf die Stimmung, emotionale Stabilität, Arbeitsproduktivität und Lebensqualität auswirken.“ Wenn sie länger anhalten, können Wechseljahrsbeschwerden sogar zu Herz-Kreislauf-Problemen und Depressionen führen.
Ein Team um Pinkerton hat nun in zwei klinischen Studien ein neues alternatives Präparat getestet, das kein Östrogen und auch sonst kein Hormon enthält. An den Studien nahmen 633 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren teil, die sich in der Postmenopause befanden, der letzten Phase der Wechseljahre, und täglich mehrmals unter moderaten bis schweren Hitzewallungen litten. Die Probandinnen wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen unterteilt und erhielten über einen Zeitraum von 26 Wochen entweder täglich 120 Milligramm des Testwirkstoffs Elinzanetant oder zunächst über zwölf Wochen hinweg ein Placebo und anschließend für die restlichen 14 Wochen ebenfalls Elinzanetant. Währenddessen führten die Frauen ein elektronisches Tagebuch über ihre Symptome und beantworteten anschließend zusätzlich einen Fragebogen über die Gesamtwirkung der Behandlung.
Doppelt positive Wirkung
Die Auswertung ergab: In beiden Studien minderte der Wirkstoff die Symptome bereits in der ersten Woche spürbar, mit zunehmendem Effekt in den Folgewochen. Die Frauen berichteten, seltener und weniger starke Hitzewallungen zu erleben als ohne Elinzanetant. Bei den allermeisten Probandinnen traten die Hitzewallungen nach der Behandlung nur noch halb so oft oder noch seltener auf. Innerhalb von zwölf Wochen verbesserte sich zudem die Qualität ihres Schlafes und insgesamt ihre Lebensqualität. „Elinzenetant ist ein dualer Neurokinin-Rezeptor-Antagonist. Das bedeutet, dass er auf zwei Rezeptoren im Gehirn wirkt, um Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlaf und allgemeine Stimmung zu verbessern“, erklärt Pinkerton. Elinzenetant wirkt demnach ähnlich wie das kürzlich in den USA und Europa zugelassene Präparat Fezolinetant, das jedoch nur einen dieser Rezeptoren und daher nur die Thermoregulation adressiert.





