Kaiser Wilhelm II. sah sich noch in seinem holländischen Exil in Doorn genötigt zu erklären, weshalb seine Regierung im Jahr 1890 einen solch scheinbar unvorteilhaften Tausch „Knopf gegen Hose“ eingegangen war: „Dieses Eiland, den großen Wasserstraßen, die zu den Haupthandelsplätzen der Hansa führen, dicht vorgelagert, war in der Hand der Briten eine beständige Drohung gegen Hamburg und Bremen und machte jeden Gedanken an einen Flottenausbau unmöglich. Ich hatte daher den festen Entschluß gefaßt, dieses alte deutsche Eiland seinem Vaterland wieder zu gewinnen. Auf dem Kolonialgebiet fand sich der Weg, um England zur Aufgabe des roten Felsens zu veranlassen.“ Worauf Wilhelm hier anspielt, ist der Tausch der Insel Sansibar vor der ostafrikanischen Küste gegen Helgoland im Rahmen eines allgemeinen kolonialen Ausgleichs zwischen den beiden Mächten. Doch wie war Helgoland überhaupt zu Großbritannien gekommen?
Helgoland gehörte seit dem späten Mittelalter zum Herzogtum Schleswig, das seit 1721 in Personalunion durch den dänischen König regiert wurde. Um die napoleonische Kontinentalsperre zu unterlaufen, besetzten britische Truppen 1807 die Nordseeinsel und nutzten sie in der Folge als „militärischen Stützpunkt zum Halten und Festigen einer Verbindung mit Hamburg und Bremen und als Niederlassung, von wo aus unsere Kolonialwaren und britischen Fabrikate nach Norddeutschland importiert werden können“. Helgoland blieb auch nach dem Ende der Napoleonischen Kriege in englischem Besitz. Dieser britische Stachel vor der deutschen Küste ärgerte nicht nur Wilhelm II. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben dichtete 1841 auf Helgoland sein „Lied der Deutschen“. Doch erst 1890 gelang der besagte Tauschhandel: Zu verlockend erschien den englischen Kolonialpolitikern das viel größere, fruchtbarere und offensichtlich wertvollere Sansibar, und zu unwahrscheinlich in der damals relativ entspannten Lage ein Krieg zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich.
In der Folge bestimmten gleichwohl militärische Belange, wie von Wilhelm II. angekündigt, die Geschicke der Insel. Befestigungsanlagen wurden gebaut; bald waren über 3000 Soldaten auf Helgoland stationiert. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die gesamte Inselbevölkerung evakuiert; erst 1918 konnten die Bewohner wieder zurückkehren. Im Zweiten Weltkrieg kam es dann zwar zu keiner Evakuierung, aber wiederum zu einem Ausbau der Befestigungsanlagen, zu denen auch ein großer U-Boot-Bunker gehörte. Zum Schicksalstag der Helgoländer wurde gleich zweimal der 18. April: 1945 wurde die Insel durch einen Luftangriff der Royal Air Force in eine Trümmerwüste verwandelt, 1947 sprengten britische Truppen in der Operation „Big Bang“ die Befestigungsanlagen, dazu gewaltige Mengen an Munition – insgesamt 6700 Tonnen Sprengstoff. Schon zuvor hatte die britische Luftwaffe die Insel als Testziel für ihre Bomberpiloten genutzt, und auch nach dem 18. April 1947 luden die Flugzeuge ihre explosive Ladung über dem Eiland ab. Selbst wenn es nicht das Ziel der Briten war, Helgoland im Meer versinken zu lassen, wie vielfach kolportiert, so war eine Wiederbesiedlung dieser Trümmerwüste doch nur schwer vorstellbar.




