Wenn sich ein Mensch mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, kann dies sehr unterschiedliche Folgen haben: Während vor allem junge Menschen oft kaum Symptome entwickeln, erkranken andere schwer an Covid-19. Dabei sind neben der Lunge und anderen Organen oft auch das Blut und das Gefäßsystem betroffen: Entzündungsreaktionen führen zu Veränderungen der Gefäßwände und einer vermehrten Aktivierung von Blutplättchen. Dies führt dann zu einer verstärkten Neigung zu Blutgerinnseln und Thrombosen. Parallel dazu ist bei schwer an Covid-19 erkrankten Patienten oft auch die Immunreaktion dereguliert: Es werden übermäßig viele Entzündungsbotenstoffe wie Zytokine ausgeschüttet, parallel dazu kommt es zu einer Erschöpfung der für die Abwehr nötigen T-Zellen. Bei schweren Verläufen von Covid-19 führt oft nicht das Virus selbst zu den schweren Symptomen und im Extremfall zum Tod, sondern diese von ihm ausgelösten Reaktionen im Körper.
Markermolekül auf weißen Blutkörperchen
Auf der Suche nach einem Anzeiger dafür, wie schwer die Infektion das Blut- und Immunsystem in Mitleidenschaft zieht, haben Lisa Rausch vom Biomedizinischen Centrum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und ihre Kollegen ein im Blut vorkommendes Molekül näher in Augenschein genommen. Das Phosphatidylserin genannte Molekül kommt normalerweise auf der Innenseite von Zellwänden vor. Wenn jedoch eine Zelle stirbt oder von einem Virus befallen ist, gelangt das Phosphatidylserin von der Innenseite zur Außenseite der Zellmembran. “Dort kann es nun mit extrazellulären Proteinen wechselwirken, darunter auch der Gerinnung oder dem Komplementsystem der Immunabwehr”, erklärt das Forschungsteam. Als Komplementsystem wird ein Teil der Abwehr bezeichnet, bei dem sich Proteine an Erreger oder befallenen Zellen anlagern, mit diesen verklumpen und sie für eine Zerstörung markieren. Parallel dazu werden Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet.
Für die Studie untersuchte das Forschungsteam Blutproben von 54 Patienten, die zwischen April 2020 und Februar 2021 mit unterschiedlichen Schweregraden von Covid-19 behandelt wurden. Zum Vergleich nahmen sie Proben von 35 gesunden und 12 genesenen Spendern hinzu. Aus allen Proben wurden die sogenannten mononukleären Zellen des peripheren Blutes (PMBC) isoliert, dabei handelt es sich um bestimmte Weiße Blutkörperchen wie Lymphozyten und Monozyten. Diese wurden mithilfe einer speziellen Variante der Durchflusszytometrie untersucht, bei denen die Zellen durch eine dünne Kanüle strömen und dabei auf Phosphatidylserin analysiert und fotografiert werden. Dadurch konnten Rausch und ihre Kollegen bestimmen, wie viel Phosphatidylserin sich auf der Oberfläche dieser Immunzellen des Blutes befand.





