Während das Phänomen „Kreuzzug“ in der Öffentlichkeit spätestens nach der Rede von George W. Bush nach „9/11“ wieder Beachtung fand, besitzt die historische Kreuzzugsforschung eine lange Tradition. Von dieser versucht sich Tim Weitzel in seiner Dissertation abzugrenzen, indem er die gängige These vom Kreuzzug als (ausschließlich) päpstliches Unternehmen in Frage stellt und die Kreuzzüge als „charismatische Bewegungen“ (unter Rückgriff auf die Herrscher-Theorie Max Webers, 1919) interpretiert.
Methodisch untersucht Weitzel die „Transformation des Kreuzzugsgedankens“ für die ersten beiden Züge zumeist anhand zeitgenössischer historiographischer Zeugnisse. Beim ersten Kreuzzug erscheint Urban II. als maximus auctor und als Verkünder eines von Gott befohlenen bzw. geführten Krieges (1095 –1099). Diese auf Amts-Charisma beruhende Dominanz relativiert der Verfasser jedoch durch den Nachweis der zentralen Rolle, die Kreuzzugsführer mit Personal-Charisma, wie etwa Peter von Amiens, bei der Realisierung der Kreuzzugsidee mit Modifikationen in der Praxis besaßen.




