Der Impfstoff ChAdOx1 von AstraZeneca steht in Kritik, da er in sehr seltenen Fällen als schwere Nebenwirkung Thrombosen in den Sinus- und Hirnvenen verursachen kann. Diese Thrombosen, bei denen der Blutabfluss aus dem Gehirn gestört ist, können zu schwerwiegenden neurologischen Schäden und Schlaganfällen führen. Nachdem die ersten Fälle bekannt wurden, setzte Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca zwischenzeitlich aus und änderte die Impfempfehlung danach dahingehend, dass nur noch Personen über 60 Jahren diesen Impfstoff erhalten. Für diese Altersgruppe galt das Thromboserisiko bislang als geringer.
Neurologische Kliniken in Deutschland befragt
Eine als Preprint veröffentlichte Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) zeigt nun: Auch für Frauen über 60 Jahren bringt die Impfung mit AstraZeneca ein erhöhtes Risiko für Sinusvenenthrombosen mit sich. Ein Team um Jörg Schulz von der RWTH Aachen hat für die Studie alle neurologischen Kliniken Deutschlands befragt, wie viele Fälle von zerebralen Sinus- und Hirnvenenthrombosen sowie ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen innerhalb eines Monats nach einer Sars-CoV-2-Impfng aufgetreten sind. Insgesamt gingen 87 Meldungen ein, von denen Experten für 62 einen möglichen Zusammenhang zur Impfung bestätigten.
53 der 62 bestätigten Fälle traten nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff auf, neun nach einer Impfung mit dem BioNTech-Impfstoff. Beim Moderna-Impfstoff wurden bislang keine Ereignisse beobachtet. Allerdings wurden von dieser Vakzine bis zum Ende der Datenerhebung Mitte April auch nur 1,2 Millionen Dosen verabreicht, verglichen mit 16,2 Millionen Dosen BioNTech und 4,6 Millionen Dosen AstraZeneca. Bei den bestätigten Fällen handelte es sich in 45 Fällen um Sinusvenenthrombosen (davon 37 nach AstraZeneca-Impfung, acht nach BioNTech-Impfung). Zudem gab es neun Berichte von Schlaganfällen, davon einer nach BioNTech-Impfung, und vier Fälle von Hirnblutungen, alle nach AstraZeneca-Impfung.
Frauen stärker betroffen als Männer
Mehr als Dreiviertel der berichteten Nebenwirkungen traten bei Frauen auf. Von den 45 Personen mit Sinusvenenthrombosen waren 36 unter 60 Jahre alt. Für eine bessere Vergleichbarkeit setzten die Forscher die aufgetretenen Fälle in Beziehung zur Gesamtzahl der Personen des gleichen Geschlechts und Alters, die den jeweiligen Impfstoff erhalten hatten. So berechneten sie die Ereignisrate pro 100.000 Personenjahre. Für Frauen unter 60 Jahren lag die Ereignisrate für Sinusvenenthrombosen nach Verabreichung des AstraZeneca-Impfstoffs bei 24,2 pro 100.000 Personen und Jahr, bei gleichaltrigen Männern mit 8,9 pro 100.000 fast dreimal niedriger. Für BioNTech lag die Rate für unter 60-Jährige bei 3,6/100.000 für Frauen und 3,5/100.000 für Männer. Über 60-jährige Frauen wiesen nach Impfung mit BioNTech eine sehr geringe Ereignisrate von 0,8/100.000 Personenjahre auf, bei Männern über 60 Jahre gab es keine Ereignisse, egal mit welchem Impfstoff sie geimpft worden waren.





