Bei vielen Infektionskrankheiten führt der Erstkontakt mit einem Erreger dazu, dass unser Immunsystem sich den “Feind” merkt: Gedächtniszellen speichern Proteinsignaturen beispielsweise des Virus und schütten bei einem erneuten Kontakt mit dem Erreger große Mengen Antikörper aus. Diese docken im Idealfall zielgenau an entscheidenden Strukturen der Virenhülle an und verhindern so die Vermehrung des Virus. Als Folge wird die Zweitinfektion abgewehrt – wir sind immun. Dieses Immungedächtnis bildet die Grundlage für alle aktiven Impfungen – auch die zurzeit gegen Sars-CoV-2 entwickelten Kandidaten. Doch gerade bei diesem neuen Coronavirus ist bislang unklar, wie gut und andauernd der Immunschutz nach einer überstandenen Infektion ist. Theoretisch wäre es möglich, dass eine durchlaufene Covid-19-Erkrankung auf Monate oder sogar Jahre hinaus vor einer Neuansteckung schützt, es könnte aber auch sein, dass nur ein Teilschutz besteht, durch den man sich zwar erneut anstecken kann, aber dann nicht mehr schwer erkrankt.
Bislang gab es nur wenige Daten, die klare Beweise für einen anhaltenden Immunschutz nach Covid-19 liefern – aber auch keine klaren Gegenbeweise. So hatten schon im März 2020 Mediziner in China von einigen Fällen berichtet, bei denen Patienten nach Abklingen der Symptome mehrfach negativ auf Sars-CoV-2 getestet worden waren. Fünf bis 13 Tage später waren ihre Tests auf Sars-CoV-2 jedoch wieder positiv. Diese Fälle galten aber damals als kein ausreichender Beleg für eine Re-Infektion. Denn der geringe zeitliche Abstand von Erkrankung und erneutem Test legte nach Ansicht vieler Wissenschaftler eher nahe, dass die positiven Tests nicht mehr infektiöse Reste des Coronavirus nachgewiesen hatten oder aber dass die zwischenzeitlich negativen Tests falschnegativ waren. Dafür sprach auch die Tatsache, dass bei einigen dieser Fälle die Symptome wieder aufflammten – offenbar war ihre Covid-19-Erkrankung doch noch nicht ganz ausgeheilt.
Fünf Monate nach überstandenem Covid-19 erneut positiv
Anders sieht es bei dem aktuellen Fall aus Hongkong aus. Dabei handelt es sich um einen 33-jährigen Mann, der Mitte März 2020 mit Husten, Fieber, Kopfschmerzen und Halsschmerzen zum Arzt ging und am 26. März positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde. Am 14. April wurde er nach zwei negativen PCR-Tests als gesund aus dem Krankenhaus in Hongkong entlassen. Am 15. August 2020 jedoch kehrte der Mann von einer Reise nach Spanien nach Hongkong zurück und wurde am Flughafen einem Routine-Abstrich auf Sars-CoV-2 unterzogen. Der Test fiel positiv aus, obwohl der Betroffene keinerlei Symptome zeigte. Der Patient wurde dennoch vorsorglich ins Krankenhaus eingewiesen und gründlich untersucht und überwacht. Dort bestätigten Tests das Vorliegen einer akuten Coronavirus-Infektion: “Der Patient hatte erhöhtes reaktives C-Protein im Blut, eine relativ hohe Virenlast und entwickelte im Verlauf der Infektion IgG-Antikörper gegen Sars-CoV-2”, berichten Kelvin Kai-Wang To und seine Kollegen. Der Patient bekam aber weder Fieber noch zeigten sich krankheitstypische Veränderungen seiner Lunge.





