Tief in Inneren des Gehirns, am Rand der Großhirnlappen, sitzt ein wichtiger und bisher unbekannter Teil des menschlichen Navigationssystems: wegweisende Nervenzellen. Sie werden nur dann aktiv, wenn man sich in eine bestimmte Richtung bewegt, haben US-Forscher herausgefunden. Damit komplettieren sie die Gruppe der für die räumliche Orientierung zuständigen Hirnzellen, zu der auch entfernungs- und ortsspezifische Varianten gehören.
Entdeckt haben die Psychologen und Neurowissenschaftler um Joshua Jacobs von der University of Pennsylvania die bewegungssensiblen Zellen bei Epilepsiepatienten, die ein virtuelles Taxi durch eine computergenerierte Stadt steuerten. Den Testteilnehmern waren im Rahmen ihrer Behandlung Elektroden ins Gehirn eingesetzt worden, mit denen sich die Aktivität einzelner Hirnzellen messen ließ. Fuhren die Probanden im Uhrzeigersinn durch die Stadt, begannen bestimmte Nervenzellen in der Area entorhinalis zu feuern – einem Hirnareal, das direkt an den für das Gedächtnis unverzichtbaren Hippocampus angrenzt und eng mit diesem verschaltet ist. Steuerten die Testpersonen dagegen in die entgegengesetzte Richtung, blieben diese Nervenzellen stumm, und andere begannen zu feuern.
Die betreffenden Zellen sind also zuständig für die Richtung einer Bewegung, schließen die Forscher. Zusammen mit den anderen Orientierungszellen helfen sie dem Hippocampus, von der Umgebung geistige Landkarten zu erstellen, mit deren Hilfe sich der Mensch zurechtfindet. Dadurch ist es beispielsweise möglich, sich lange nach einer Reise noch bildlich an den Verlauf einer Straße zu erinnern.





