Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die Krebsart mit der geringsten Überlebensrate. Da die Tumoren im Pankreas lange keine Symptome verursachen, werden sie oft erst entdeckt, wenn es schon zu spät ist. Meist sind die Tumoren zum Zeitpunkt der Diagnose schon zu groß für eine Operation und haben sich zudem eine Mikroumgebung geschaffen, die sie weitgehend vor Chemotherapien und vor Angriffen des Immunsystems schützt. Dazu gehört auch, dass der Krebs stark von Nervenfasern durchzogen ist.
Wie genau das Nervensystem zur Therapieresistenz der Pankreastumoren beiträgt war allerdings bislang unklar. Untersuchungen waren bislang schwierig, denn im Tumor selbst befinden sich nur die Nervenenden, während die Zellkörper weit entfernt in den Nervenknoten des peripheren Nervensystems liegen. „Daher entziehen sich die Neuronen, die Krebs oder ein gesundes Organ versorgen, den aktuellen Gewebesequenzierungsdatensätzen“, erklärt ein Team um Vera Thiel vom Deutschen Krebsforschungszentrum.
Nervenzellen umprogrammiert
Um dem Einfluss der Nervenzellen auf die Spur zu kommen, haben Thiel und ihr Team bei Mäusen mit und ohne Pankreaskrebs den Verlauf der Nervenfasern genau nachverfolgt, bis hin zu den jeweils zugehörigen Nervenknoten. Anschließend haben sie mehr als 5.000 einzelne Nervenzellen isoliert und analysiert, welche Gene in den jeweiligen Nervenzellen aktiv sind. Dabei stellte das Team fest, dass die Nervenzellen mit Tumorkontakt eine deutlich andere Genaktivität aufwiesen als Nervenzellen, die gesundes Gewebe versorgen: „Offenbar programmiert der Tumor die Nervenzellen um“, berichten die Forschenden.
Diese Umprogrammierung sorgte unter anderem dafür, dass das Immunsystem in der Umgebung des Tumors herunterreguliert war. Zugleich förderten die umprogrammierten Nervenzellen offenbar die Vermehrung der Krebszellen sowie der umgebenden Bindegewebszellen – und damit das Wachstum des Tumors. Selbst wenn die Forschenden den Primärtumor operativ entfernten, behielten die Nervenzellen ihre krebsfördernden Eigenschaften. Pflanzte das Forschungsteam den Mäusen erneut Pankreaskrebszellen ein, wurden die daraus entstehenden Tumoren doppelt so groß wie bei Mäusen, deren Nervensystem nicht von einem früheren Tumor manipuliert worden war.
Erhöhte Anfälligkeit für Therapien
Doch lassen sich diese Erkenntnisse auch für die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs nutzen? Auch das testeten Thiel und ihr Team an Mäusen. Dazu zerstörten sie die Nervenverbindungen zum Tumor entweder chirurgisch oder durch Nervengifte. Und tatsächlich: Ohne die Nervenbindung wuchsen die Krebstumore signifikant langsamer. Zusätzlich ergaben sich in der Umgebung des Tumors deutlich mehr Entzündungen – ein Hinweis auf eine verstärkte Aktivität des Immunsystems.





