Schätzungen der Ellen MacArthur Foundation zufolge befinden sich bereits mehr als 150 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen, und jedes Jahr kommen 10 Millionen Tonnen dazu. Das meiste davon sinkt auf den Ozeanboden, aber mehr als 250.000 Tonnen schwimmen auf der Oberfläche. Täglich werden es mehr. Was sind die Konsequenzen für uns?
Plastik wird weltweit zur Massenproduktion von Gebrauchsgegenständen eingesetzt, vor allem weil es sich leicht formen und verarbeiten lässt. Seit Leo Baekeland vor rund 100 Jahren das erste Plastik (Bakelit) entwickelte, haben Chemiker Dutzende weiterer solcher Kunststoffe hergestellt. Ihre Namen enthalten meist ein „Poly“, das auf ihre lange Molekülstruktur hinweist: Polyethylen, Polypropylen, Polyethylenterephthalat und so weiter.
Diese Moleküle gab es zuvor in der Natur schlicht nicht. Wie lange Plastik sich in der Natur hält, ist unklar. Schätzungen zufolge sind es Hunderte oder sogar Tausende von Jahren. Plastik zerfällt allerdings unter Umwelteinflüssen wie Regen und Sonnenschein in kleinere Teile. Manche davon sind am Ende nur noch wenige Mikrometer groß. Dieses „Mikroplastik“ ist längst in der Nahrungskette. Aus Mülldeponien gelangt Plastik in die Umwelt und aus Tieren zurück auf unseren Teller. Inzwischen nehmen wir alle mit dem Essen und beim Atmen geringe Mengen an Plastik auf. In den letzten Jahren haben zahlreiche Studien Mikroplastik in Stuhlproben und auch im Trinkwasser nachgewiesen. Was die gesundheitlichen Auswirkungen sind, weiß keiner genau. Mikropartikel in unserer Nahrungskette sind an und für sich nichts Neues. Es gibt sie nicht nur aus Plastik, sondern auch aus natürlichen Quellen wie Sand, oder es sind organische Kleinteile, etwa von Blättern. Laut einer Studie chinesischer Forschern aus dem Jahr 2019 wachsen Bakterien ausgezeichnet auf organischen Mikropartikeln, weil sie die gut verdauen können. Das Bakterienwachstum auf Mikroplastik hingegen ähnelt dem auf mikroskopisch kleinen Gesteinsstücken und ist erstmal nicht hochbedenklich.
Wie bio ist Bioplastik?
Unternehmen versuchen immer wieder, Plastik in ein grünes Licht zu setzen, zum Beispiel indem sie das Wort „Bioplastik“ verwenden. Das ist allerdings nicht so „bio“, wie es klingt. In Bioplastik wird lediglich der Rohstoff aus Biomasse gewonnen, also etwa aus Kartoffeln oder Mais. Daraus wird dann Ethanol hergestellt und daraus Plastik. Normalerweise wird Plastik aus fossilen Brennstoffen – Erdöl, Erdgas oder Kohle – gefertigt. Das Ergebnis von beiden Verfahren ist chemisch fast identisch. Die meisten Bioplastik-Stoffe sind daher genauso wenig biologisch abbaubar wie normales Plastik.
Es gibt aber durchaus biologisch abbaubares Plastik, das wesentlich schneller zerfällt als normales Plastik. Die mexikanische Forscherin Sandra Pascoe Ortiz hat zum Beispiel ein Plastik aus einer bestimmten Art von Kakteen hergestellt. Allerdings taugt diese Idee nicht zur Massenproduktion. Es gibt zu wenige dieser Kakteen, und die wachsen zudem nicht schnell genug, um den gigantischen Weltbedarf zu decken. Mehr versprechen da die Polyhydroxyalkanoate (PHA), eine Klasse natürlich vorkommender Polymere, die sich zur Plastikherstellung eignen und trotzdem von Bakterien zersetzt werden können. Forscher der University of Queensland in Australien haben geschätzt, dass eine Flasche aus diesem Material im Ozean innerhalb von 1,5 bis 3,5 Jahren zersetzt wird. Eine ganze Reihe junger Unternehmen will nun in die Produktion einsteigen. Derzeit ist PHA allerdings schwierig herzustellen, und daraus produzierte Materialien sind entsprechend teurer als normales Plastik.





