Ob Sternexplosionen, Gammastrahlenausbrüche oder energiereiche Strahlungspulse von Pulsaren: Fast immer, wenn Astronomen solche energiereichen, kurzen Ereignisse im Kosmos entdecken, ist auch das Swift-Gammateleskop mit im Spiel. Denn dieses seit 2004 im niedrigen Erdorbit kreisende Observatorium ist speziell dafür ausgelegt, solche energiereichen kurzen Vorkommnisse aufzuspüren.
Swift nähert sich der kritischen Schwelle
„Swift ist ein wichtiges astronomisches Mehrzweckwerkzeug“, erklärt S. Bradley Cenko vom Goddard Space Flight Center der NASA. „Es beobachtet den Himmel in einem weiten Strahlungsbereich und reagiert sehr schnell auf kurzlebige Ausbrüche. Dann alarmiert es andere Teleskope am Boden und im All und hilft so, Folgebeobachtungen zu koordinieren.“ Allerdings hat das Swift-Teleskop ein Manko: Es besitzt keine eigenen Antriebsdüsen. Dadurch kann es das allmähliche Absinken seiner Umlaufbahn nicht selbst ausgleichen.
Genau dies ist jetzt zu einem akuten Problem geworden: Durch erhöhte Sonnenaktivität und den allmählichen Bremseffekt der dünnen Atmosphärenreste im niedrigen Erdorbit fliegt das Swift-Teleskop inzwischen nur noch rund 300 Kilometer über der Erdoberfläche. Sinkt es unter 297 Kilometer, wäre es nicht mehr zu retten. Die NASA hat das Teleskop in den letzten Monaten bereits in eine aerodynamisch günstige Fluglage gebracht, um das Erreichen dieser kritischen Schwelle vom Juli auf den Herbst 2026 hinauszuzögern.
So läuft die Rettungsmission ab
Jetzt startet eine bisher beispiellose Rettungsmission für das Swift-Gammateleskop. Ein robotischer Satellit soll am Weltraumteleskop andocken und es dann mithilfe seines Antriebs langsam in eine höhere Umlaufbahn ziehen. Der LINK getaufte Satellit ist rund ein Drittel so groß wie Swift und besitzt drei robotische Greifarme, mit denen er das Teleskop einfangen und festhalten soll. Hat er Swift sicher im Griff, wird er seine drei Ionentriebwerke nutzen, um die Flugbahn des Teleskops im Laufe mehrerer Monate bis auf rund 600 Kilometer anzuheben.
Es ist das erste Mal, dass eine solche robotische Anhebungsmission versucht wird. „Dies ist eine hochriskante, aber im Erfolgsfall sehr lohnende Mission“, kommentiert Shawn Domagal-Goldman, Leiter der Astrophysik-Abteilung der NASA. „Swift spielt für uns eine wichtige Rolle. Wir haben daher durch diese Anhebungsmission viel zu gewinnen. Sie ist zudem kostengünstiger, als wenn wir versuchen würden, Swifts Fähigkeiten durch ein anderes Observatorium zu ersetzen.“
Satellit startet vom Flugzeug aus
Die LINK-Rettungsmission für Swift soll am Dienstag, 30. Juni 2026 vom Kwajalein-Atoll im Südpazifik in den Orbit starten. Anfang Juni hat die NASA den von der US-Firma Katalyst gebauten LINK-Satelliten bereits in eine Pegasus-XL-Rakete verladen. Diese Rakete startet nicht von einer Startrampe am Boden, sondern hängt unter dem Bauch eines Trägerflugzeugs und startet im Flug. „Mithilfe unseres Stargazer-Flugzeugs können wir Pegasus von nahezu überall aus in den Orbit bringen“, erklärt Wes Collier von Northrop Grumman.

Der LINK-Satellit wird in einer vom Flugzeug aus startenden Rakete in den Orbit gebracht. — © NASA/Jamie Adkins
Wenn die Pegasus-Rakete den niedrigen Erdorbit erreicht, wird sie den LINK-Satelliten freisetzen. Dieser durchläuft dann zunächst einige Wochen der Tests von Navigation, Antrieb und Sensorsystemen. Erst wenn alles korrekt funktioniert, wird sich der LINK-Satellit langsam dem sinkenden Swift-Teleskop nähern und es dann vorsichtig mit seinen drei Roboterarmen einfangen.
Blaupause auch für andere orbitale Rettungsmissionen
„Swift ist eigentlich nicht für eine solche Servicemission ausgelegt. Indem wir jetzt demonstrieren, dass wir seine Lebensdauer trotzdem schnell und kostengünstig verlängern können, schaffen wir auch eine Blaupause für andere Satelliten und Observatorien im Orbit“, sagt Ghonhee Lee, CEO von Katalyst. Dies schaffe die Möglichkeit, Satelliten zukünftig mithilfe robotischer Sonden zu reparieren, aufzutanken, nachzurüsten oder zu repositionieren.
Quelle: NASA





