Während der normalen Wundheilung sorgt unser Körper für ein leicht saures Milieu, das die Sauerstoffversorgung des verletzten Gewebes fördert und zu einer gesunden Regeneration beiträgt. Gelangen allerdings Bakterien in die Wunde, verändern diese den pH-Wert zu ihren Gunsten: Sie schaffen sich eine basische Umgebung, in der sie Angriffen des Immunsystems entgehen und sich vermehren können. Gerade bei älteren oder geschwächten Menschen können solche bakteriellen Infektionen dazu führen, dass Wunden sich entzünden und lange nicht heilen. Antibiotika helfen dagegen nur teilweise, da viele Keime Resistenzen entwickelt haben.
Als wirksames Hausmittel bei infizierten Wunden gilt verdünnte Essigsäure. „Dabei handelt es sich um eine milde Säure, die nachgewiesenermaßen die Wundheilung fördert“, erklärt ein Team um Adam Truskewycz von der Universität Bergen in Norwegen. Essig ist allerdings nur gegen eine kleine Anzahl von Bakterien wirksam. „Gegen viele wundbesiedelnde Bakterien hilft er dagegen kaum, zumindest in Konzentrationen, die auf der Haut angewendet werden können“, so die Forschenden.
Kombinierte Schlagkraft
Um die natürliche antibakterielle Wirkung von Essig zu verstärken, haben Truskewycz und seine Kollegen schwache Essigsäure mit Nanopartikeln aus Kohlenstoff und Kobalt kombiniert. „Kobalt hat eine nachgewiesene antimikrobielle Aktivität und die Kohlenstoff-Nanopartikel sorgen für eine gute Biokompatibilität“, erklären die Forschenden. Wie gut diese Wirkstoffkombi funktioniert, testeten sie im Labor an Bakterienkulturen und an infizierten Mäusen.
Das Ergebnis: Das Gemisch tötete mehr Keime ab als Essig oder Nanopartikel allein und machte die häufigsten wundbesiedelnden Keime unschädlich, darunter MRSA, E. coli und Enterococcus faecalis. Dabei sorgte die Essigsäure dafür, dass die Nanopartikel besonders gut in die Bakterienzellen hineingelangen. „Die saure Umgebung verändert das osmotische Gleichgewicht der Mikroorganismen, lässt sie anschwellen und beschleunigt die Aufnahme der Nanopartikel“, erläutert Truskewycz. Die Nanopartikel stören dann im Inneren der Bakterien die Herstellung wichtiger Proteine, sorgen für oxidativen Stress und schwächen die Zellmembran, sodass die Bakterienzellen schließlich platzen. Durch die Kombination der beiden Wirkstoffe entsteht so eine starke desinfizierende Wirkung.
Wirksam und verträglich
Auch bei lebenden Mäusen erwies sich diese Kombination aus Essig und Nanopartikeln als wirksam. Behandelten die Forschenden MRSA-infizierte Wunden mit dem Gemisch, ging die Infektion zurück und die Verletzungen heilten ebenso gut wie nicht-infizierte Wunden. Zudem erwies sich die Behandlung als gut verträglich für die Tiere. Mit einem pH-Wert von 5,5 ähnelte die verwendete Essigsäure dem normalem Säuregrad der Haut und führte zu keinen unerwünschten Reaktionen. Auch die eingesetzten Nanopartikel gelten als unbedenklich und reichern sich früheren Studien zufolge nicht im Körper an.





