In einem jungen Planetensystem rund um einen Stern in den Plejaden ? auch Siebengestirn genannt ? geht es buchstäblich heiß her: Astronomen haben dort ungewöhnlich viel aufgeheizten Staub entdeckt, der ihrer Ansicht nach bei heftigen Kollisionen zwischen kleinen Planeten oder sich bildenden Planetenvorläufern entstanden ist. Sie schließen daraus, dass in dem System um den noch recht jungen Stern HD 23514 terrestrische Planeten wie die Erde, der Mars oder die Venus entweder gerade entstehen oder sogar bereits entstanden sind. Auch Erde und Mond bildeten sich vor mehr als vier Milliarden Jahren bei einem derartigen Zusammenstoß, erklärt Teammitglied Benjamin Zuckermann von der Universität von Kalifornien in Los Angeles.
HD 23514 ist mit einem Alter von knapp 100 Millionen Jahren noch relativ jung und gehört zu den etwa 1.400 Sternen des 400 Lichtjahre entfernten Sternhaufens der Plejaden. Seine Helligkeit und seine Größe ähneln der der Sonne. Allerdings gibt es rund um den Stern einige hunderttausendmal mehr Staub als in unserem Sonnensystem. Ein Teil dieser Partikel ist zudem sehr warm, konnten die Forscher mit Hilfe des Gemini North Telescopes auf Hawaii, der Infrarotweltraumteleskope IRAS und ISO und des Spitzer-Weltraumteleskops nachweisen: Es handelt sich dabei um Staub, der den Stern in einer Zone umkreist, die etwa der zwischen Merkur und Mars ? der Zone der erdähnlichen Planeten ? in unserem Sonnensystem entspricht.
Soviel Staub könne nur entstehen, wenn es vor nicht allzu langer Zeit Zusammenstöße zwischen größeren Gesteinsbrocken oder sogar Planeten gegeben habe, erklären die Astronomen. Die dabei entstehenden Staubpartikel seien wiederum Bausteine für neue Planeten: Sie lagerten sich zuerst zu Kometen und kleineren, asteroidengroßen Körpern zusammen, aus denen dann “Planetenembryonen” und schließlich ausgewachsene Planeten würden. “Bei der Bildung von erdähnlichen Planeten kollidieren einige Objekte und wachsen dabei zu Planeten heran, während andere zu Staub zerschellen. Genau diesen Staub sehen wir jetzt”, illustriert Inseok Song, ebenfalls ein Mitglied des Teams. “Das ist der erste klare Beweis für die Bildung von Planeten in den Plejaden”, ergänzt sein Kollege Joseph Rhee. Die Beobachtung lasse zudem darauf schließen, dass erdähnliche Planeten aus festem Gestein weit verbreitet seien, auch wenn sie mit den bisher bei der Suche nach Planeten außerhalb des Sonnensystems verwendeten Methoden praktisch nicht aufgespürt werden können.
Die Plejaden, auch Siebengestirn oder Sieben Schwestern genannt, liegen im Sternbild Stier und sind eine der bekanntesten Sternenkonstellationen am Himmel. Ihre hellsten Sterne ? je nach Jahreszeit und Sichtbedingungen zwischen sechs und neun ? sind zwischen Frühherbst und Frühjahr mit bloßem Auge am Himmel sichtbar.
Mitteilung des Gemini-Observatoriums, Hilo/Hawaii ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





