Schon seit geraumer Zeit verändern sich die die Angebote in den Supermärkten: Fair erzeugte und regionale Produkte finden ihren festen Platz im Regal. Auf mehr und mehr Produkten prangen Bio- und Tierwohllabel. Recycling steht höher im Kurs und viele Kunden packen loses Obst und Gemüse in ausliegende Papiertüten oder Mehrwegbeutel. Das alles zeigt: Viele Konsumenten legen Wert auf mehr Nachhaltigkeit – und der Handel reagiert darauf. Aber ändert Corona etwas an der nachhaltigen Einstellung der Kunden?
Regional denken in der Pandemie
Dieser Frage ist ein Forscherteam um Bastian Popp von der Universität Saarland auf den Grund gegangen. In ihrer Studie befragten sie über 500 Teilnehmer aller Altersklassen und Bevölkerungsschichten nach den Auswirkungen, die die Corona-Krise auf ihren Konsum vor Ort und beim Online-Shoppen hat. Das Ergebnis: Auch in der Pandemie ist das Interesse an nachhaltigerem Konsum weiterhin groß. „Für rund 77 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass die verwendeten Produkte nicht der Umwelt schaden“, sagt Popp. „Die Mehrheit – 64 Prozent – berücksichtigt mögliche Umweltauswirkungen ihrer Handlungen beim Kauf.“ Knapp 55 Prozent der Studienteilnehmer würden gewisse Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, um dadurch umweltfreundlichere Maßnahmen zu fördern. „Und fast 67 Prozent der Befragten geben an, künftig nachhaltigere Produkte beim Kauf zu bevorzugen, auch wenn sie dafür mehr bezahlen müssen“, ergänzt der Handelsexperte.
Die derzeitige positive Entwicklung überrascht: „Unsere Studie zeigt, dass Nachhaltigkeit auch in der aktuellen Krisensituation entscheidenden Einfluss auf die Konsumentscheidungen hat. Die Kundinnen und Kunden haben sogar ein gesteigertes Interesse an diesem Thema und messen ihm zugleich mehr Bedeutung zu“, fasst Popp zusammen. Bemerkenswert sei zum Beispiel, dass Covid-19 das Interesse der Konsumenten an regionalen Produkten fördere. „Im Vergleich zu Zeiten vor Corona sind mehr Kundinnen und Kunden an der Herkunft der Produkte interessiert – immerhin knapp die Hälfte aller Befragten“, stellen die Forscher fest. Und auch hierfür würden die meisten tiefer in die Tasche greifen: „Rund 44 Prozent gaben zudem an, dass die Corona-Pandemie dazu geführt hat, dass sie bereit sind, für regionale Produkte mehr zu zahlen“, so Popp.
Aktiv nachhaltig werden
Und wie zeigen sich die Wünsche der Befragten in der Realität? Obwohl das Interesse an einem veränderten Kaufverhalten – auch begünstigt durch die Pandemie – steigt, zeigen die Ergebnisse der Saarbrücker Wissenschaftler, dass die Corona-Pandemie nur bedingt zu nachhaltigerem Verhalten der Verbraucher führt. „Nur rund 34 Prozent der Befragten informieren sich derzeit stärker als zuvor über die Umweltbelastung von Produkten und verzichten infolgedessen auf einen Kauf“, sagt Popps Kollege Patrick Klein. Auffällig ist aber auch, dass viele Konsumenten gerade jetzt einen Verbesserungsbedarf in punkto Nachhaltigkeit in ihren Supermärkten und Online-Shops sehen. „Lediglich 19 Prozent der Befragten empfinden den Handel per se als nachhaltig“, so das Studienergebnis. Viele der Teilnehmer wünschen sich ein Ersparnis von CO2 und Verpackungsmaterialien. Häufig kommunizieren die Unternehmen aber zu wenig über bereits bestehenden Aktivitäten zur Nachhaltigkeit, sagen die Experten.





