Bernhard Pötter empfängt uns im “tazcafé”, das sich im Erdgeschoss des Redaktionsgebäudes befindet. Für das Interview möchte der Wirtschafts- und Umweltredakteur aber raus in den Garten. Es ist ein schwül-heißer Tag in Berlin-Mitte. Pötter, orangenes T-Shirt, gestreiftes Hemd, deutet auf einen Tisch im Schatten und bestellt eine Bionade.
natur: Herr Pötter, Sie kommen gerade aus der Redaktion. Welches Thema brennt Ihnen denn momentan unter den Nägeln?
Pötter: Ich war Anfang der Woche in Bonn auf der Klimakonferenz. Den Artikel werde ich noch heute oder morgen schreiben. Außerdem gibt es einen Streit zwischen dem Umweltbundesamt und ein paar Journalisten zum Thema Klimaskeptiker.
Bei der taz arbeiten Sie im Ressort Wirtschaft und Umwelt – aus Überzeugung?
Auf jeden Fall aus Neigung. Überzeugung klingt mir ein bisschen zu groß, aber es ist – finde ich – das spannendste Thema. Und deswegen mache ich es gerne. Natürlich hat es auch etwas mit Überzeugung zu tun, dass man ein Thema spannend findet.
Laufen Umweltjournalisten nicht Gefahr, ihre Position als neutraler Beobachter zu verlassen und zum Aktivisten zu werden?
Klar, es gibt dieses Risiko. Aber für mich steht der professionelle Journalismus im Vordergrund: Geschichten suchen, sie balancieren und möglichst viele Meinungen und Aspekte zu einem Thema einbringen. Ich sehe da kein großes Problem.
Ist es nicht reizvoll, beispielsweise Klimaskeptiker nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen?
Dafür gibt es ja immer noch die Meinungsseiten. Wer so etwas fühlt, hat jede Menge Möglichkeiten, sich zu äußern. So lange man aber journalistisch auf der Bericht- und Reportagen-Ebene arbeitet, muss man die Balance halten. Nicht nur aus Respekt vor den Leuten und ihren Meinungen, sondern auch aus Respekt vor dem Publikum, vor dem Leser. Denn ich möchte auch nichts lesen, wo mir Leute ihre Meinungen überbraten.
Müssen Umweltjournalisten auch persönlich Vorbilder sein?
Ich finde, das schließt daran an. Wenn ich ein Aktivist wäre, müsste es vielleicht so sein. Aber ich bin Journalist. Mit dem Wissen, das ich aus dem Journalismus generiere, kann ich bestimmte Entscheidungen auch im privaten Leben treffen. Aber dass jemand eine gute Geschichte als Umweltjournalist ausgräbt, hat ja wenig damit zu tun, ob er Auto oder Bahn fährt.




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