Israelische Forscher haben erstmals dokumentiert, dass bestimmte Gen-Varianten mit der sexuellen Aktivität korrelieren. Wir befragten Studienleiter Richard Ebstein von der Hebrew University in Jerusalem, was die Ergebnisse seiner Untersuchung für das Sexualverhalten bedeuten.
Welche Gen-Varianten beeinflussen unser Sexualleben?
Es handelt sich um Varianten des Gens für den Rezeptor von Dopamin, einem wichtigen Botenstoff im menschlichen Gehirn. Wir haben bei 3 Prozent der 146 getesteten Studenten eine Gen-Variante gefunden, die bei ihnen zu einer erhöhten sexuellen Aktivität führt. Eine andere Gen-Variante, die bei 19 Prozent der Testpersonen vorkam, korreliert mit durchschnittlichem Sexualverhalten. Für alle anderen Varianten konnten wir keinen Zusammenhang mit Sex entdecken.
Das erschüttert die bisherige These, wonach das Sexualverhalten durch Erziehung und psychische Komponenten geprägt wird.
Ich glaube, dass wir in dieser Hinsicht zur Hälfte durch unsere Gene und zur anderen Hälfte durch die Umgebung oder auch Erziehung geprägt werden. Diese Erkenntnis könnte vielen Menschen helfen, die darunter leiden, dass ihr Sexualtrieb nicht so stark ausgeprägt ist. Wenn nämlich ihr Verhalten zumindest teilweise genetisch bedingt ist, können sie toleranter sich selber gegenüber sein.
Wenn viel Sex viel Fortpflanzung bedeutet, warum ist die entsprechende Gen-Variante dann so selten?
Ganz einfach: Weil viel Sex evolutionär gesehen nicht unbedingt von Vorteil ist. Denn es nützt überhaupt nichts, viel Nachwuchs zu zeugen, sich dann aber nicht um die Aufzucht kümmern zu können. So gesehen war Casanova evolutionär kein erfolgreiches Vorbild.





