Die Firma BASF Plant Science hat Tomaten gezüchtet, die durch einen gentechnischen Eingriff mehr Flavonoide enthalten. Diese Antioxidantien besitzen unter anderem eine gefäßstärkende und entzündungshemmende Wirkung. Versuche an Mäusen haben gezeigt, dass der Verzehr der Früchte tatsächlich bestimmte Entzündungsmarker im Blut senkt. Wirken sich die Tomaten aber – wie von BASF behauptet – auch positiv auf das Risiko von Herzkreislauf-Erkrankungen beim Menschen aus? Wir sprachen mit dem Flavonoid-Experten Herwig Gutzeit, Professor für Zoologie an der Technischen Universität Dresden.
Was weiß man über die Wirkung von Flavonoiden auf die Gesundheit?
Sehr wenig und auch Widersprüchliches: Menschen in Asien, die viel Soja mit dem Flavonoid Genistein essen, erkranken seltener an Brustkrebs. Auf der anderen Seite gibt es Hinweise aus Tierversuchen, dass Genistein die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen kann. Unnatürlich hohe Flavonoid-Konzentrationen dürften unterschiedliche Reaktionen des Körpers hervorrufen. Ob diese Reaktionen einen Krankheitsverlauf günstig beeinflussen können, ist noch nicht eindeutig gezeigt worden.
Weiß man denn wenigstens, wie Flavonoide auf eine menschliche Zelle wirken?
Es gibt in der Natur Tausende verschiedener Flavonoide, und von den am genauesten untersuchten ist bekannt, dass sie mit zahlreichen Eiweißen in der Zelle reagieren. Darüber gibt es umfangreiche Studien. Das Mosaik der vielen einzelnen Forschungsergebnisse ergibt aber noch kein vollständiges Bild.
Was bedeutet das für die Gen-Tomate?
Wegen der unklaren Forschungslage ist auf jeden Fall Skepsis gegenüber der Behauptung angebracht, durch sie ließe sich das Risiko für Herzerkrankungen senken.





