Für Deutschland war es ein Großereignis, das in seiner Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Die durch die Niederlage im Ersten Weltkrieg gedemütigte Nation, der durch den Versailler Vertrag strikte Fesseln im militärischen Bereich angelegt worden waren, bewies in der zivilen Technik und noch dazu auf dem Feld modernster Luftfahrt eine Leistungsfähigkeit, die sie nicht nur in der Welt führend werden ließ, sondern auch alte Menschheitsträume wahr machte: nahezu unbeschränkt durch die Luft zu gleiten, Ozeane zu überqueren und Kontinente zu verbinden. Dazu kamen eine an Emotionen reiche Vorgeschichte, in deren Zentrum der Ehrgeiz, aber auch die Kompetenz (um nicht zu sagen: Genialität) zweier Männer und ihr Werk von geradezu monumentaler Größe standen.
Diese von den Medien, konkret: vor allem den damaligen Zeitungen und Zeitschriften vermittelte Sicht war nicht ganz falsch, verzichtete jedoch auf den die Sachverhalte etwas relativierenden Kontext. Tatsache war, dass es um keinen fliegerischen Rekord ging. Die Atlantik-Überquerung per Flugzeug war Charles Lindbergh in West-Ost-Richtung im Mai 1927 gelungen, und den wesentlich schwierigeren Ost-West-Flug hatte im April 1928 das deutsch-irische Team Hermann Köhl, Freiherr Ehrenfried von Hünefeld und James Fitzmaurice bewältigt. Luftschiffe hatten die Fahrt sogar schon zweimal hinter sich gebracht: Bereits im Juli 1919 hatte das britische Luftschiff R 34 den Atlantik überquert, im Oktober 1924 war ihm das deutsche LZ 126 gefolgt. Nicht die Spitzenleistung war das Ziel der neuen Überquerung, sondern die Demonstration kommerzieller Nutzbarkeit, ja der Überlegenheit der Luftschiffe über die Flugzeuge.
Die Chancen dazu standen nicht schlecht. So bot etwa das Standardflugzeug der 1926 gegründeten Lufthansa, die Junkers F 13, gerade einmal Platz für sechs Personen; neben den beiden Piloten konnte sie also nur vier Passagiere mehr schlecht als recht 650 Kilometer weit befördern. Weniger gegen das Flugzeug galt es also zu bestehen als gegen die luxuriösen Ozeandampfer, die für die Atlantik-Überquerung aber mindestens viereinhalb Tage brauchten, so 1929 der Rekord der „Bremen“. Letztlich ging es ums Image, und da war die Unterstützung durch das Wort und das Bild in der Presse von zentraler Bedeutung.
Das Sensationsluftschiff trug den Namen des Mannes, dem es letztlich seinen Erfolg zu verdanken hatte. Ferdinand Graf von Zeppelin (1838 – 1917) war 1891 aus dem Offiziersdienst ausgeschieden, um sich ganz der Verwirklichung seines Lebenstraums zu widmen, dem Bau von Starrluftschiffen. Im Jahr 1900 unternahm sein LZ 1 die erste Probefahrt (der erste Motorflug gelang den Brüdern Wright erst 1903), und 1908 ermöglichte eine „Nationalspende“ von sechs Millionen Mark die Gründung der „Luftschiffbau Zeppelin GmbH“.




