Alle Kapitel folgen dabei demselben Muster: Sie informieren über den Lebensweg der Porträtierten, skizzieren die politischen und intellektuellen Kontexte ihres Wirkens und stellen ihre wichtigsten Schriften vor. Chronologisch beginnt das Buch mit dem protestantischen Dissidenten Roger Williams in der frühen Kolonialzeit und endet in den 1960er Jahren mit den Ökonomen John Kenneth Galbraith, Paul Baran und Paul Sweezy. Statt der im Titel genannten 25 sind tatsächlich 38 Porträts enthalten, da einige Kapitel mehrere Protagonisten haben.
Die Porträtierten fallen meist unter den in der amerikanischen Geschichte prominenten Typus des öffentlichen Intellektuellen, der wissenschaftliche und literarische Tätigkeit mit politischen Aktivitäten und publizistischem Wirken verbindet. Dazu gehören Präsidenten, Schriftsteller, Journalisten, Philosophen, Soziologen, Ökonomen, Historiker, Frauenrechtlerinnen und schwarze Bürgerrechtler.
Im Zentrum des Buchs stehen die oft religiös inspirierten Reformtraditionen und die Kritik des amerikanischen Kapitalismus, aber die als streitbare Linke bekannten Verfasser porträtieren auch Apologeten der Sklaverei (John C. Calhoun und George Fitzhugh), Sozialdarwinisten (William Graham Sumner) und skeptische Konservative (Walter Lippmann und Reinhold Niebuhr) mit Empathie für deren intellektuelle Welten. Mit ihrem durchgängigen Verweis auf die Verbindungen zur europäischen und deutschen Ideengeschichte distanzieren sich die Autoren bewusst vom „American Exceptionalism“, also vom Mythos, die USA nähmen eine geistige und moralische Sonderstellung in der Geschichte ein. Zu diesem Mythos gehören der „amerikanische Traum“ vom sozialen Aufstieg in einer vermeintlich klassenlosen Leistungsgesellschaft und die Vorstellung von der Selbstdurchsetzung der Freiheit und Demokratie, deren Kritik das Leitmotiv vieler Beiträge bildet.
Warum jedoch der für das amerikanische Selbstbild kaum zu überschätzende Mythos der Frontier (das heißt der Eroberung des Westens) und sein wichtigster Ideengeber, der Historiker Frederick Jackson Turner, nur am Rand erwähnt werden, bleibt ebenso unverständlich wie die Nicht-Berücksichtigung Woodrow Wilsons. Dieser war neben Thomas Jefferson der bedeutendste Intellektuelle unter den US-Präsidenten, dessen liberaler Internationalismus das außenpolitische Selbstverständnis der USA im 20. Jahrhundert maßgeblich prägte. Insgesamt jedoch wird das Buch seinem Anspruch, deutschen Lesern eine informative und kompetente Einführung in die US-Ideengeschichte zu geben, durchaus gerecht.
Rezension: Prof. Dr. Manfred Berg




