Allerdings ist die Sache nicht ganz so einfach, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Vielmehr mussten die Studenten vor dem Experiment lange üben, bis sie in der Lage waren, sich derart intensiv auf die Bewegungen zu konzentrieren, dass ein messbarer Effekt eintrat. Dazu der Versuchsleiter Vinot Ranganathan: „Es bringt überhaupt nichts, sich nur hinzusetzen und an die entsprechenden Bewegungen zu denken, während nebenbei der Fernseher läuft. Vielmehr kommt es darauf an, dass der Gehirnteil, der die Muskeln steuert, hochaktiv ist. Denn genau genommen trainiert man ja nicht die Muskeln selbst, sondern bringt vielmehr das Gehirn dazu, über die Bewegungsnerven möglichst intensive Signale auszusenden, wie sie auch beim tatsächlichen Bodybuilding erforderlich sind.“
Bestätigt wurde das Studienergebnis durch eine ähnliche Untersuchung im Jahr 2013. Dabei wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt. Während die Teilnehmer der ersten Gruppe gar nichts tun mussten, sollten sich die Teilnehmer von Gruppe zwei sechs Wochen lang an den Werktagen jeweils 15 Minuten lang so intensiv wie möglich vorstellen, ihren Unterarm mit aller Kraft gegen einen massiven Widerstand nach oben zu drücken. Ergebnis: Nach Abschluss der Testphase hatten sie im Vergleich zu den Teilnehmern der Kontrollgruppe durchschnittlich elf Prozent an Muskelkraft zugelegt.
Doch die Wissenschaftler haben bei solchen Tests als Zielgruppe gar nicht die vielen Kraft- oder Freizeitsportler im Sinn. Es geht ihnen vielmehr darum, Verfahren zu entwickeln, mit denen gebrechliche Menschen ihren Körper kräftigen können, damit er so leistungsfähig wie möglich wird. Die Forscher vermuten, dass die intensive Vorstellung, Kraft zu entfalten, diejenigen Gehirnareale stimuliert, die umgekehrt nicht beanspruchte Muskeln schwinden lassen. Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob sich dieser Schwund – etwa bei Patienten, die nach einem Unfall längere Zeit ruhig gestellt sind – allein durch gedankliche Anstrengung signifikant bremsen lässt.





