Vor allem im Sommer und bei Reisen in tropische Länder haben sie Hochkonjunktur: Lotionen und Sprays, die Mücken abschrecken und Stiche verhindern sollen. Die meisten bei uns und weltweit verkauften Repellents enthalten die Wirkstoffe Diethyltoluamid (DEET) oder Picaridin. Diese Mittel wirken zwar gut, haben aber Schattenseiten: DEET reizt die Augen und Schleimhäute, bei manchen Menschen können auch Hautreizungen auftreten. Picaridin wiederum könnte schon in geringen Dosen für bestimmte Amphibienlarven tödlich sein, wie jüngst eine Studie nahelegte. Unter anderem deshalb suchen Wissenschaftler weltweit nach neuen, verträglicheren Repellents.
Bakterien als Repellent-Erzeuger?
Ein solches Abwehrmittel gegen Stechmücken könnten nun Mayur Kajla von der University of Wisconsin-Madison und sein Team gefunden haben. Für ihre Studie hatten sie in einem auf den ersten Blick ungewöhnlichen Bereich nach potenziellen Wirkstofflieferanten gesucht: unter Bakterien. “Bisher war die Suche nach biologischen DEET-Alternativen auf Pflanzeninhaltsstoffe fokussiert”, erklären die Forscher. Doch gerade Bakterien produzieren ebenfalls Stoffwechselprodukte, die gegen Pilze, andere Bakterien und auch Insekten wirken. Eine Gruppe solcher potenziell nützlichen Mikroben ist die Gattung Xenorhabdus. Diese Bakterien leben in Fadenwürmern, die im Boden vorkommen und mit Vorliebe dort lebende Insekten befallen. Erste Beobachtungen legten nahe, dass diese Bakterien auch gegen Insekten wirksame Substanzen produzieren.
Um herauszufinden, ob die von Xenorhabdus-Bakterien erzeugten Substanzen sich auch als Abwehrmittel gegen Stechmücken eignen, führten Kajla und sein Team mehrere Experimente durch. Dabei bekamen Stechmücken der Arten Aedes aegypti, Culex pipiens und Anopheles gambiae die Möglichkeit, an einer Membran menschliches Blut zu saugen. In einem ersten Vergleichstest sprühten die Forscher die Membran mit einer einprozentigen Lösung der gängigen Repellent-Wirkstoffe DEET oder Picaridin ein. Als Folge ließen sich alle Mücken abschrecken und unterließen das Blutsaugen, wie die Wissenschaftler berichten.
Extrakt verdirbt Mücken den Appetit
Nun folgte der eigentliche Test: Die Forscher sprühten verschiedene Extrakte der von Xenorhabdus -Bakterien erzeugten Substanzen auf die Membran der Stechmücken-Futterstation. Dabei erwies sich ein Extrakt – Peak 3 getauft, als besonders effektiv, wie Kajla und sein Team berichten. Analysen mittels Massenspektrometrie ergaben, dass dieser Extrakt zwei Inhaltsstoffe enthält, die zur Gruppe der Fabclavine gehören – peptidhaltigen Verbindungen, die bisher nur von den Xenorhabdus-Bakterien bekannt sind. Um herauszufinden, wie effektiv diese Inhaltsstoffe gegen Mücken wirken, wiederholten die Forscher die Blutsaugetests nun mit verschiedenen Dosierungen des Extrakts.





