Diesen Spannungsbogen veranschaulicht der israelische Historiker Shmuel Feiner in seiner Biographie des streitbaren Denkers. Anhand von Mendelssohns zahlreich hinterlassenen Werken und seinem Briefwechsel stellt Feiner die wichtigsten Lebensabschnitte vor und verfolgt die Karriere des Gelehrten vom Talmudschüler hin zum glühenden Verbreiter aufklärerischen Gedankenguts in den bürgerlichen Berliner Salons. Sein Streben, die traditionelle Welt des Judentums mit den modernen Gedanken der Aufklärung zu vereinen, machte Mendelssohn schließlich zum Protagonisten der jüdischen Aufklärung, der Haskala.
Feiners sehr gut lesbare Biographie stellt nicht nur einen wichtigen Menschen der deutsch-jüdischen Geschichte vor, sondern sie entwirft auch vor dem Hintergrund der philo‧sophischen Gedankenwelt der Aufklärung ein eindrückliches Bild einer Zeit, in welcher der emanzipatorische Vorreiter Mendelssohn mit seinen Visionen der Gleichheit aller Menschen letztendlich zum Scheitern verurteilt war.
Rezension: Fabian Stetzler




