von KLAUS JACOB
Das Moor war über viele Jahrhunderte der Inbegriff für Abgeschiedenheit, Angst und Armut. Dort lauerte das Böse. Nur die ärmsten Menschen siedelten, wo nachts Irrlichter herumgeisterten und uralte Leichen ans Licht kamen. Wo der Boden nur magere Ernten hergab und ein Fehltritt das Leben kosten konnte. Das Moor war verflucht.
Der Klimawandel hat dem düsteren Ort ein neues Image gegeben. Das Moor ist zum Heilsbringer geworden. Denn es vermag, den Temperaturanstieg zu bremsen, ähnlich wie der Wald. Allerdings hat es lange gedauert, bis die Klimaforscher diese Bedeutung begriffen hatten und in ihre Formeln einbauten. Erst 2012 wurde die Moorwiedervernässung als Klimaschutzaktivität im Rahmen des Kyoto-Protokolls berücksichtigt.
Ein Moor entsteht, wenn der Boden auf Dauer vernässt ist. Kommt das Wasser vor allem aus dem Niederschlag, spricht man von Hochmoor. Beim Niedermoor spielt dagegen das Grundwasser die Hauptrolle. Aber was macht das Moor so wichtig für das Klima? Ein Vergleich mit dem Wald, den manche Forscher für die bedeutendste Stütze des Klimas halten, hilft weiter: Bäume nehmen Kohlendioxid auf und bauen es in Holz, Zweige und Blätter ein. Solange der Wald wächst, seine Biomasse also zunimmt, fungiert er als Senke für das Treibstoffgas. Doch er wächst nicht endlos. Ein alter Urwald ist im Gleichgewicht, denn der Zuwachs entspricht dem, was verrottet und als Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre gelangt. Er ist weitgehend klimaneutral.
Das ist beim Moor anders. Hier bleibt das abgestorbene Pflanzenmaterial im Boden und lässt eine Torfschicht wachsen. In unseren Breiten beträgt der Zuwachs etwa ein Millimeter pro Jahr. Das Kohlendioxid, das die Pflanzen der Atmosphäre entzogen haben, bleibt gefangen, weil der wassergesättigte Boden ein Verrotten verhindert. Die Moore erfüllen somit eine wichtige Funktion in der Klimabilanz. In ihren Torfschichten ist weltweit fast doppelt so viel Kohlenstoff gespeichert wie in allen Wäldern der Erde zusammen.
Entwässerte Moore
Von Klimaschutz war in den vergangenen Jahrhunderten freilich noch keine Rede. Es galt als ehrenwerte Aufgabe, Moore trockenzulegen, um Weiden und Äcker zu gewinnen. Deutschland hat sich dabei besonders hervorgetan. Hierzulande wurden rund 94 Prozent der Moore entwässert. Die Arbeit war so gründlich, dass heute manche Grundstücksbesitzer nicht einmal wissen, dass sie ein Moor bewirtschaften. Doch ein Moor ist es geblieben, auch wenn jetzt Kühe dort weiden oder Mais wächst. Wissenschaftler sprechen von einem Moorboden, wenn die Torfschicht mindestens 30 Zentimeter mächtig ist und darin der Anteil abgestorbener Pflanzen mindestens 30 Prozent beträgt.





