Der Grenzverlauf der römischen Provinz Germania Superior wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts auf die Rheinlinie zurückverlegt, wodurch dieser zur „nassen Grenze“ gegen die Barbaren östlich des Flusses wurde. Trotz dieser erzwungenen Rückverlegung der Grenze und der damit verbundenen Preisgabe der ehemaligen rechtsrheinischen Provinzge?biete gaben die Römer den politischen Anspruch auf diese Region nicht auf. Dies belegen schriftliche Quellen, die von immer wieder stattfindenden Vorstößen spätantiker Kaiser in die verlorenen Gebiete berichten.
Die neue Grenze mußte, genau wie vormals der Limes mit seinen Holzpalisaden, Mauern und Wachttürmen, ständig kontrolliert und gesichert werden. Dies machte den Ausbau einer neuen Verteidigungslinie notwendig. Gezielte Baumaßnahmen sind erstmalig unter der Regierung Kaiser Diokletians (284 –305) belegt. Sie wurden unter den Kaisern Konstantin (306 –337) und Valentinian I. (364 – 375) intensiviert, wodurch es dem Römischen Reich im 4. Jahrhundert noch einmal gelang, die Grenze am Rhein nachhaltig zu stabilisieren.
Als Sicherungssystem an der Rheingrenze wurde eine Kette von Kastellen errichtet, die von der Rheinmündung bis zum Bodensee reichte. Diese Kastelle sahen anders aus als die vom Obergermanisch-Rätischen Limes bekannten aus der Zeit vor der Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Ihr Grundriß war nicht mehr rechteckig, sondern unregelmäßig, wie es etwa am trapezförmigen Grundriß des Kastells von Altrip zu sehen ist. Die Langseite des Kastells wurde dabei zum Fluß hin ausgerichtet. Darüber hinaus wiesen die spätantiken Kastelle mächtige Mauern auf, die mit vorspringenden Türmen versehen waren. Oft lagen sie zudem auf erhöhtem Gelände, da sie so geschützter gegen Angriffe waren und eine bessere Übersicht gewährten.
Ergänzt wurde die Verteidigungslinie der linksrheinischen Kastelle durch rechtsrheinisch gelegene Kleinfestungen, die sogenannten burgi. Das waren mächtige Wehrtürme, umgeben von Wehrmauern, die auf der Flußseite bis ins Wasser ragten und so den anlegenden Schiffen Schutz bieten konnten. Diese hafenartigen Anlegestellen waren um so wichtiger, als die Besatzungen der burgi nur auf dem Wasserweg versorgt und ausge?tauscht werden konnten.
War einstmals die Überwachung des Limes Aufgabe von Heereseinheiten gewesen, so wurde die Grenzüberwachung am Rhein nun durch Patrouillenboote, also durch Einheiten der römischen Flotte, übernommen. Wie aber sahen die Schiffe aus, die die Versorgung der Festungen und die Überwachung des Flusses gewährleisteten? Aufschluß darüber geben die spektakulären Schiffsfunde, die 1981/82 in Mainz – einem Stützpunkt der römischen Rheinflotte – beim Bau eines großen Hotels gemacht wurden: Beim Ausheben des Fundaments fand man auf Höhe des Niveaus, das der Rhein in römischer Zeit hatte, die Überreste von fünf spätantiken Militärschiffen, die heute im „Museum für antike Schiffahrt“ in Mainz zu sehen sind. Vier davon gehören dem Typus eines schnellen, schlanken Ruderschiffs für eine 27- bis 35köpfige Besatzung an. Das fünfte Schiff, das etwa 17 Personen aufnehmen konnte, weist eine teilweise gedeckte, gedrungenere Form auf. Es muß demnach um einiges langsamer gewesen sein.




