Zum Alexander-von-Humboldt-Jahr sind zahlreiche Publikationen erschienen. Empfehlenswert ist der schöne Band „Das Buch der Begegnungen“. Er versammelt Auszüge aus den insgesamt 4500 Manuskriptseiten umfassenden „Amerikanischen Reisetagebüchern“ Humboldts, die einen lebendigen Einblick in die Erlebnisse, vor allem aber in die Gedankenwelt des Gelehrten geben. Man liest keine chronologisch aufeinanderfolgenden Tagebucheinträge,, sondern „Textinseln“ zu verschiedensten Themen. Es finden sich etwa autobiographische Einträge, wissenschaftliche Abhandlungen, Experimentbeschreibungen oder Darstellungen des Reiseverlaufs.
Neugierig und sehr offen berichtet Humboldt etwa von den „Indianern“, die er antraf, und charakterisiert sie als „getreueste, exakteste Beobachter der Natur“, zeigt sich fasziniert von der Vielfalt ihrer Sprachen und lehnt das System der Sklaverei entschieden ab. „Die Sklaverei ist auf Unmoral gegründet“, schreibt er. Sehr kritisch geht er auch mit dem Christentum ins Gericht: Unter der „Maske“ der christlichen Religion würden „die Menschen am unglücklichsten“.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Alexander von Humboldt
Das Buch der Begegnungen
Menschen, Kulturen, Geschichten aus den Amerikanischen Reisetagebüchern
Hrsg. von Ottmar Ette
Manesse Verlag, München 2018, 393 Seiten, € 45,–




