Die Zahl der Kurzsichtigen hat in den letzten Jahrzehnten weltweit stark zugenommen: In Deutschland sind rund 40 Prozent der Bevölkerung betroffen, in Asien sogar bis zu 90 Prozent. Meist entwickelt sich diese Myopie während der Kindheit und verschlimmert sich nach und nach, weil der Augapfel in dieser Phase mehr wächst als er sollte. Bei starker Kurzsichtigkeit wird dadurch die Netzhaut stark gedehnt und es besteht die Gefahr von Netzhautrissen, einer Netzhautablösung sowie Grauem und Grünem Star. Ursachen für die Kurzsichtigkeit sind neben einer genetischen Veranlagung auch zu häufiges nahes Lesen oder Fokussieren auf Bildschirme und ein Mangel an direktem Tageslicht. Studien zeigen, dass der UVB-Anteil des Sonnenlichts offenbar biochemische Prozesse anstößt, die das Augapfel-Wachstum bremsen.
Multifokal-Kontaktlinsen gegen das Augapfel-Wachstum
Um der zunehmenden Kurzsichtigkeit entgegenzuwirken, wird in Asien schon mit einem “verordneten” Freigang für Schulkinder experimentiert. Auch Kontaktlinsen sollen dazu beitragen, das Wachstum des Augapfels bei Jugendlichen zu verlangsamen. Diese wirken bislang aber nur begrenzt. Eine effektivere Methode könnten nun Jeffrey Walline von der Ohio State University und seine Kollegen gefunden haben. Sie haben in einer klinischen Studie mit sieben bis elfjährigen kurzsichtigen Kindern untersucht, ob eine multifokale Kontaktlinse das Wachstum des Augapfels besser bremst als normale, nur zur Korrektur der Kurzsichtigkeit eingesetzte Linsen. “Erwachsene benötigen solche multifokalen Linsen, wenn ihre Augen nicht mehr gut auf Nahes fokussieren können – sie sind dann altersweitsichtig”, erklärt Walline. Bei den kurzsichtigen Kindern sollen die nahfokussierenden Bereiche der Kontaktlinsen auch das peripher einfallende Licht vor der Retina zum Bild konzentrieren – bei monofokalen Linsen liegt die Bildebene dieser Sehfeldanteile meist hinter der Netzhaut. Dieses Fokussieren des gesamten Lichts vor der Netzhaut soll dem Augapfel einen Reiz geben, nicht weiterzuwachsen.
Ob das funktioniert, haben die Forscher mit 287 Kindern getestet, die zu Beginn der Studie zwischen minus 0,75 und minus 5,00 Dioptrien hatten. Ein Teil der Kinder bekam dann weiche, multifokale Kontaktlinsen mit 2,50 Plus-Dioptrien im Randbereich, eine weitere Gruppe trug die Linsen mit 1,50 Plusdioptrien und die dritte Gruppe trug monofokale Linsen, die nur ihre Kurzsichtigkeit korrigierten. Die Kinder trugen die Kontaktlinsen tagsüber, so oft sie konnten. “Etwa die Hälfte der Siebenjährigen kommt sehr gut mit den Linsen klar”, berichtet Walline. “Bei den Achtjährigen sind es schon fast alle.” Nach drei Jahren untersuchten die Wissenschaftler, wie sich Augäpfel und Kurzsichtigkeit bei den Kindern entwickelt hatten.





