von ALINA WOLF
Mehr als jeder dritte Todesfall in Deutschland ließ sich 2023 auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückführen. Damit sind sie die häufigste Todesursache, dicht gefolgt von neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen oder Demenz. Lange wurden diese beiden Bereiche separat betrachtet. Inzwischen ist jedoch klar, dass viele Erkrankungen des Herzens und des Gehirns zusammenhängen. So wird zum Beispiel etwa jeder fünfte Schlaganfall auf ein unentdecktes Vorhofflimmern zurückgeführt – eine besonders häufige Herzrhythmusstörung.
Studien zeigen, dass das, was dem Herzen guttut, häufig auch gut für das Gehirn ist. Wer etwa die „Life’s Essential 8“ befolgt – also gesund isst, körperlich aktiv ist, genug schläft, nicht raucht, sein Normalgewicht hält und regelmäßig Blutdruck, Cholesterin und den Blutzuckerspiegel kontrolliert – verringert sowohl sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als auch sein Demenzrisiko.
Andersherum gilt die Analogie ebenso: Was das Herz belastet, strapaziert auch das Gehirn. So ist Übergewicht nicht nur einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern kann im Alter auch zu kognitiven Einschränkungen führen, wie Forschende am Heart & Brain Center der Universitätsmedizin Göttingen (HBCG) in einer Studie mit Mäusen nachwiesen. Das HBCG wurde 2024 gegründet und ist die erste deutsche Einrichtung, in der die Wechselwirkungen zwischen Herz und Gehirn gezielt erforscht werden. „Nur wenn wir beide Organe gemeinsam betrachten, haben wir eine Chance, neue Erkenntnisse zu gewinnen und unseren Patientinnen und Patienten zukünftig eine optimale individualisierte Therapie anbieten zu können“, sagt Gerd Hasenfuß aus dem HCBG-Vorstand.
Ein Alltagsbeispiel für die Wechselwirkungen zwischen Herz und Hirn ist Stress. Um Stress zu bewältigen, veranlasst die Hirnanhangdrüse die Ausschüttung des Hormons Cortisol. Dieses Hormon steigert kurzfristig die Leistungsfähigkeit: Atmung und Herzschlag werden beschleunigt, der Blutdruck steigt. Wird bei anhaltendem Stress aber andauernd Cortisol ausgeschüttet, muss das Herz grundsätzlich mit erhöhter Leistung arbeiten. Das erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt. Besonders verheerend ist Stress durch den Teufelskreis, den er verursacht. Denn das Wissen um eine Herzerkrankung verursacht wiederum psychischen Stress, der das ohnehin kranke Herz zusätzlich belastet.
Wie genau das Zusammenspiel von Herz und Gehirn funktioniert, ist noch lange nicht abschließend geklärt. Es gibt allerdings zwei grundlegende Ansatzpunkte: den Blutkreislauf und das Nervensystem.
Der Blutkreislauf
Trotz seines geringen Gewichts benötigt das Gehirn fast 20 Prozent der Energie des Körpers. Deshalb ist es auf eine konstante Blutversorgung angewiesen. Selbst kleine Veränderungen in der Blutversorgung können große Veränderungen im Gehirn verursachen.





