Warum das? Ist sie im Winterhalbjahr etwa auf Sommerfrische für Galaxien? Es ist wie so oft eine Frage des Blickwinkels. Die Milchstraße ist natürlich immer um uns herum am Himmel zu sehen, auch im Winter. Doch in den Sommermonaten blicken wir von unserer Felskugel aus direkt in ihr Zentrum. In Richtung des galaktischen Zentrums befinden sich zunehmend mehr Sterne, und sie stehen auch dichter beieinander als in unserer langweiligen Gegend am Rand eines äußeren Spiralarms der Milchstraße. Das galaktische Zentrum ist daher wesentlich heller als der Rest unserer Galaxis – und damit gut für uns sichtbar. Wenn wir dagegen ein halbes Jahr später in die andere Richtung, also Richtung Rand blicken, sehen wir nicht mehr viel von ihr. Wobei wir Nordhalbkugelbewohner ja ohnehin nicht viel von der Milchstraße zu sehen bekommen, auch nicht im Sommer. Denn erstens wird es in den kurzen Sommernächten kaum richtig dunkel, und zweitens liegt das helle Zentrum der Milchstraße in unseren Breiten auch nur ganz knapp über dem Horizont. Viel besser zu sehen ist sie von der Südhalbkugel, wo zu der Zeit Winter ist und die Nächte lang und dunkel sind. Von dort aus lässt sich viel besser in Richtung galaktisches Zentrum blicken.
Warum kann der Süden das und wir nicht? Es liegt an unserer Orientierung relativ zur Sternenscheibe der Milchstraße. Das Sonnensystem liegt nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, flach in der Scheibe der Milchstraße. Stattdessen haben die Umlaufbahnen der Planeten eine ganz andere Orientierung: Stellen Sie sich das Sonnensystem vor, mit der gelben Sonne in der Mitte und den Umlaufbahnen der acht Planeten in mehr oder weniger einer Ebene. Und jetzt kippen Sie das Ganze in einem Winkel von etwa 60 Grad zum Rest der riesigen Milchstraße. Ja, das Sonnensystem steht in einem hohen Winkel auf die Ebene der Milchstraße, was aber überhaupt nicht ungewöhnlich ist, denn die Orientierungen anderer Planetensysteme um andere Sterne sind ebenso unterschiedlich. Die Drehung der Sterne und ihrer Planeten hat anscheinend nichts mit der Rotation der Milchstraße zu tun.
Käfer-Kompass
Wenn Sie jetzt mit geneigtem Kopf dasitzen, weil es Ihnen immer noch schwerfällt, unsere galaktische Orientierung nachzuvollziehen, kann ich Ihnen nur sagen: Legen Sie sich etwas mehr ins Zeug! Sogar Mistkäfer schaffen es, sich an der Milchstraße zu orientieren! Das wissen wir, weil ein Schwedisch-Südafrikanisches Forschungsteam im Jahr 2013 ganz genau untersucht hat, wie es der afrikanische Mistkäfer Scarabaeus Satyrus anstellt, auch in mondlosen Nächten seine Dungkugel in einer geraden Linie weg zu rollen.
Warum müssen die Tiere das können? Die Käfer schaffen es so, Konfrontationen zu vermeiden. Sie wollen ihre Mistkugel so schnell und direkt wie möglich von der unerbittlichen Konkurrenz am Scheißhaufen wegrollen, um in aller Ruhe ihre köstliche Take-away-Mahlzeit genießen zu können. Doch wie machen die Käfer das in der stockfinsteren Wüstennacht, ohne Mond? Können sie etwa Sternbilder erkennen? Der Polarstern kann es nicht sein, denn den sieht man von der Südhalbkugel nicht. Oder sind es überhaupt ganz andere Faktoren?





