von RALF BUTSCHER
Wenn die meisten Automobile künftig nicht mehr von einem Verbrennungsmotor, sondern elektrisch angetrieben werden sollen, muss das Aufladen der Batterie möglichst schnell und komfortabel erfolgen können. Doch bislang dauert es an einer normalen Ladestation bis zu mehrere Stunden lang, ehe der Energiespeicher des Wagens gefüllt ist – in den Augen vieler Autofahrer ist das ein deutlicher Nachteil der Elektromobilität. Zwar gibt es auch Schnellladestationen, an denen das Auffüllen der Batterie deutlich schneller vonstattengeht, doch das hat technisch seinen Preis: Solche Einrichtungen stellen wesentlich größere Ansprüche an das Stromnetz als herkömmliche Stromzapfsäulen. Sie zu erfüllen, ist teils sehr aufwendig.
Ingenieure des Energieunternehmens ADS TEC Energy mit Sitz in der irischen Hauptstadt Dublin haben gemeinsam mit Forschern des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE eine Lösung für dieses Problem entwickelt. Das System namens „ChargeBox“ soll fast überall und mit vergleichsweise geringem technischem Aufwand eine Möglichkeit zum schnellen Aufladen der Akkus von Elektroautos bereitstellen. Dazu ist es nicht, wie bei vielen anderen technischen Lösungen, notwendig, die elektrische Netzstruktur vor Ort aus- oder umzubauen. Stattdessen reicht ein normaler Stromanschluss, wie er in Wohn- und Geschäftsgebäuden üblich ist, für die Nutzung der Ladestation aus. Diese ermöglicht es trotzdem, eine Fahrzeugbatterie innerhalb weniger Minuten aufzuladen. Für diese Entwicklung waren der Geschäftsführer und der technische Leiter des ursprünglich im baden-württembergischen Nürtingen gegründeten Unternehmens, Thomas Speidel und Thorsten Ochs, gemeinsam mit dem ISE-Forscher Stefan Reichert 2022 für den Deutschen Zukunftspreis nominiert.
Ein Mangel an Infrastruktur
Ausgangspunkt für die Entwicklung waren Umfragen, die belegen: Für viele Fahrzeugnutzer ist die lange Ladedauer der Batterie – neben ihrer begrenzten Reichweite – eine Hemmschwelle, die der Anschaffung eines E-Autos im Weg steht. Hinzu kommt, dass viele Fahrer elektrisch betriebener Wagen weder zu Hause noch am Arbeitsplatz eine Möglichkeit haben, ihr Fahrzeug mit Energie aufzutanken – etwa über Nacht oder während der Arbeitszeit. Sie sind stattdessen auf öffentlich zugängliche Ladestationen angewiesen, die sich beispielsweise an Hauptstraßen oder in der Innenstadt befinden. Dort soll sich das Aufladen der Batterie möglichst rasch erledigen lassen. Das gelingt zwar bereits sei Längerem mit speziellen Schnellladestationen, doch die setzen dazu auf eine besonders hohe Ladeleistung – und das belastet das lokale Stromnetz. Dieses muss deshalb vielerorts erst erweitert werden, bevor sich eine Schnellladestation einrichten lässt. Teils ist überdies ein direkter Anschluss ans übergeordnete Mittelspannungsnetz nötig. Das ist teuer und braucht viel Platz.





