Seit der Entdeckung des Penicillins im Jahr 1928 bekämpfen Antibiotika Bakterien und heilen dadurch viele Infektionskrankheiten. Seither wurden viele weitere antibakterielle Substanzen entdeckt. Doch einige Bakterien sind inzwischen resistent gegen diese Medikamente – beispielsweise der gängige Krankenhauskeim MRSA, ein Methicillin-resistenter Stamm des Bakteriums Staphylococcus aureus. „Antimikrobielle Arzneimittel sind einer der Eckpfeiler des modernen Gesundheitswesens. Die zunehmende Resistenz gegen sie gibt Anlass zur Sorge“, sagt Mohsen Naghavi von der University of Washington.
Gesundheitskrise wird sich weiter verschärfen
Ein Team um Naghavi vom Forschungsprojekt Global Research on Antimicrobial Resistance (GRAM) hat nun erstmals erhoben, welche Bakterien weltweit gegen Antibiotika resistent sind und welche gesundheitlichen Folgen das hat. Dafür ermittelten sie, wie viele Menschen in der Vergangenheit an einer Infektion mit einem resistenten Bakterium gestorben sind, wie viele es aktuell sind und prognostizierten anhand dieses Trends mit statistischen Methoden, wie viele Tote es in Zukunft sein werden. Als Datengrundlage dienten Gesundheitsdaten von 520 Millionen Infektionen mit 22 verschiedenen bakteriellen Erregern in 204 Ländern.
Die Auswertung ergab, dass zwischen 1990 und 2021 bereits mehr als eine Millionen Menschen pro Jahr unmittelbar infolge der Antibiotika-Resistenzen gestorben sind. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl nach den Prognosen des Forschungsteams auf 1,91 Millionen Menschen jährlich steigen. Das wären fast 70 Prozent mehr als im Jahr 2022. Insgesamt könnten antimikrobielle Resistenzen zwischen 2025 und 2050 zu mehr als 39 Millionen direkten Todesfällen führen und mit weiteren 169 Millionen Todesfällen in Verbindung gebracht werden, schätzen die Wissenschaftler. „Diese Ergebnisse zeigen, dass Antibiotika-Resistenzen seit Jahrzehnten eine bedeutende globale Gesundheitsbedrohung darstellen und dass diese Bedrohung zunimmt“, sagt Naghavi. Davon werden zwar vor allem ärmere Länder betroffen sein, etwa in Süd- und Südostasien, aber auch reichere Regionen wie Nordamerika.
Besonders gefährlich sind antibiotika-resistente Keime der Analyse zufolge für ältere Menschen über 70 Jahren. In dieser Altersgruppe nahm die Zahl der Toten infolge von Infektionen mit resistenten Bakterien zwischen 1990 und 2021 bereits um fast 90 Prozent zu. Bis 2050 werden zudem doppelt so viele Menschen dieser Altersgruppe an einem solchen Erreger sterben wie heute. „Die Bedrohung älterer Menschen durch Antibiotika-Resistenzen wird mit zunehmender Alterung der Bevölkerung nur noch zunehmen”, sagt Co-Autor Kevin Ikuta von der University of California in Los Angeles (UCLA). Bei Kleinkindern unter fünf Jahren hat sich die Zahl der Toten indes zwischen 1990 und 2021 bereits halbiert und wird den Prognosen zufolge weiter sinken. Das Team führt dies auf eine verbesserte Impfrate und Hygienebedingungen zurück, wodurch weniger Infektionen auftraten.





