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Milliardenmarkt: Die erfolgreichsten Generika
Die Entwicklung neuer pharmazeutischer Wirkstoffe und Medikamente ist für die forschenden und entwickelnden Unternehmen ein kostspieliges Unterfangen. Die langen Entwicklungszeiten und Zulassungsbestimmungen bestimmen letztlich auch den hohen Preis für neue Arzneimittel. Auch deshalb ist der Markt für Generika, also…
Acetylsalicylsäure (ASS) ist einer der am weitesten verbreiteten und am häufigsten genutzten Wirkstoffe überhaupt. Sie wirkt unter anderem schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend. Seit mehr als 40 Jahren ist ASS von der WHO als unentbehrliches Arzneimittel geführt. Am bekanntesten ist das Antirheumatikum unter dem Namen Aspirin.
Als Generikum wird es von vielen Herstellern vertrieben, der Hinweis auf den Wirkstoff ist wie bei den meisten Generika häufig im Namen zu finden: ASS 1 A Pharma, ASS Hexal, ASS Stada, ASS-ratiopharm oder ASS Sandoz sind prinzipiell nur unterschiedliche Bezeichnungen des gleichen Medikaments.
Generika ersetzen vielfach Originalpräparate
Die Acetylsalicylsäure ist vielleicht das prominenteste Beispiel für den breiten Einsatz von Generika, aber längst nicht das einzige. Nachahmerprodukte, die mit dem Ablauf des Patentschutzes für die Originalpräparate produziert und vertrieben werden können, sind inzwischen eine wichtige Stütze bei der weltweiten Versorgung mit Medikamenten. Gleichzeitig stellen Generika für die Hersteller einen milliardenschweren Markt dar.
Besonders umsatzstarke oder versorgungsrelevante Originalwirkstoffe sind hierbei von Interesse. In manchen Fällen sogar so sehr, dass Generika bereits vor dem Ende des Patentschutzes auf dem Markt erhältlich sind, wie etwa Arzneimittel auf Cialis-Basis, mit denen sexuelle Funktionsstörungen behandelt werden. Gerade in diesem Bereich besteht eine sehr große Nachfrage. Zwischen den Pharmakonzernen Teva und Pfizer hatte es sogar eine Vereinbarung wegen des Patentschutzes für Viagra gegeben. Teva konnte somit sein Nachahmerprodukt vor dem Ablauf des Schutzes vertreiben.
Generika wie Tadalafil basieren dabei auf einer Variante des Wirkstoffs der sogenannten PDE-5-Hemmer und unterscheiden sich somit in gewissen Details wie etwa der Wirkungsdauer. Während diese beim Originalpräparat Viagra mit etwa vier bis fünf Stunden angegeben wird, beträgt sie bei Tadalafil bis zu 36 Stunden. Somit stellen die Nachahmer-Medikamente auch eine Erweiterung des Angebots dar, da sie bei der Behandlung andere Anforderungen abdecken können.
Generika werden in allen medizinischen Fachbereichen eingesetzt, bei der stationären ebenso wie bei der ambulanten Behandlung. Selbst für spezielle Wirkstoffe wie Eculizumab, mit dem eine seltene Blutkrankheit (paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie) behandelt wird, ist ein lukrativer Markt vorhanden.
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Die damit verbundenen Wachstumschancen des Marktes und die mögliche hohe Wertschöpfung erklären daher auch den internationalen Wettbewerb um Generika. Beides ergeben sich nicht zuletzt daraus, dass die meist immensen Kosten für die Forschung und Entwicklung eines Wirkstoffs bei den Generikaherstellern wegfallen. Gleiches gilt für das Risiko, einen entwickelten Wirkstoff doch nicht zur Marktreife führen zu können.
Die Herstellung von Generika stützt sich auf Inhaltsstoffe, deren Wirkung bereits erwiesen ist. Das entbindet die Unternehmen zwar nicht von eigener Forschung und Entwicklung, allerdings konzentriert sich diese lediglich auf die zugefügten Hilfsstoffe. Ansonsten bleibt der Wirkstoff derselbe.
Auf diese Weise versuchen Pharmakonzerne, die drohenden Umsatzeinbußen durch auslaufende Patente zu schützen. Im Fall von Auto-Generika vertreiben die Unternehmen sogar nicht nur denselben Wirkstoff, sondern dasselbe Medikament. Sie sind also mit dem ursprünglichen Präparat identisch und werden lediglich mit einer neuen Verpackung sowie einem neuen Namen versehen.
Tatsächlich werden Auto-Generika als kostengünstige „early entry“-Variante häufig sogar vor dem Ablauf des Patentschutzes auf den Markt gebracht. Auf diese Weise bleibt das Produkt wettbewerbsfähig gegenüber den Generika anderer Hersteller.
Dass diese sich dennoch am Wettbewerb beteiligen, liegt an den potenziell hohen Margen sowie dem zu erwartenden Marktwachstum. International betrachtet gehen Experten von einem durchschnittlichen Zuwachs von zehn Prozent aus, während der gesamte Markt für pharmazeutische Erzeugnisse lediglich zwischen vier bis sieben Prozent wächst.
Bewegung auf dem Generikamarkt
Das Wachstum erklärt sich aus dem wirtschaftlichen Druck, den beispielsweise Krankenkassen und Krankenhäuser bei der Versorgung der Patienten mit Medikamenten spüren. Generika sind im Vergleich zu den Originalmedikamenten günstiger, entsprechend ist die Nachfrage.
Um die Umsatzmargen im Preiswettbewerb jedoch nicht zu beschneiden, versuchen die Unternehmen ihre Stellung am Markt zu festigen. Möglich wird das etwa durch die Übernahme von Konkurrenten.
Die Aufkäufe von anderen Unternehmen erschwert vielfach den Überblick. Noch vor fünf Jahren konnte beispielsweise der irische Pharmakonzern Actavis den US-amerikanischen Konkurrenten Allergan übernehmen.
Da Allergan unter anderem der Hersteller von Botox ist, wurde der Firmenname für den neuen Zusammenschluss übernommen. Actavis steuerte unter anderem eine Vielzahl von Generika zum neuen Unternehmen bei.
Noch im selben Jahr kaufte das israelische Pharmaunternehmen Teva (eigentlich Teva Pharmaceutical Industries Limited) die Generikasparte von Allergan auf. Die Kosten für die Übernahme lagen bei 40,5 Milliarden US-Dollar, ein ähnlich hohes Angebot für den US-Konzern Mylan zog Teva daraufhin zurück.
Die beiden Unternehmen führten 2016 die Umsatzrangliste der internationalen Generikahersteller an. Zusammen mit dem deutschen Tochterunternehmen Ratiopharm, das Teva bereits 2010 für 3,6 Milliarden übernommen hatte, erwirtschaftete der Pharmaproduzent knapp 12 Milliarden US-Dollar. Mylan konnte etwas mehr als 11 Milliarden US-Dollar umsetzen, mit Sandoz/Novartis (10 Milliarden US-Dollar) konnte ein dritter Hersteller zweistellige Milliarden-Umsätze verzeichnen.
Allergan ging übrigens 2019 für rund 63 Milliarden Dollar an den Pharmakonzern Abbvie. Die Übernahme war nur eine von mehreren großen Fusionen, die im selben Jahr durchgeführt wurden. Auch das US-Unternehmen Bristol-Myers Squibb sowie der japanische Takeda-Konzern vergrößerten sich für hohe zweistellige Milliardenbeträge.
Generikahersteller auf dem deutschen Markt
Auf dem deutschen Markt für Generika ist Novartis in erster Linie durch Tochterunternehmen vertreten. Mit Hexal gehört sogar einer der führenden Hersteller zur Novartis-Gruppe, der Marktanteil lag 2018 bei knapp unter zehn Prozent. Dazu kommt mit 1 A Pharma eine weitere Novartis-Tochter, die einen Marktanteil von leicht über neun Prozent behaupten konnte.
Zusammen kommen beide Firmen auf einen ähnlich hohen Marktanteil wie die Teva-Tochter Ratiopharm (17,8 Prozent). Zu den Generikaherstellern mit größeren Anteilen am deutschen Markt gehören außerdem die Stada-Tochter Aliud (7,9 Prozent) sowie das frühere Sanofi-Tochterunternehmen Zentiva Pharma, das 2018 vom Finanzinvestor Advent übernommen wurde.
Wettbewerb um neue Generika
Der Wettbewerb unter den Pharma-Konzernen, die sich auf die Herstellung von Generika spezialisiert haben oder die Generika zumindest als wichtige Sparte betreiben, wird zusätzlich durch Patentabläufe verschärft.
Daraus ergeben sich mögliche Umsatzvolumen für Generika, die auf den nicht mehr geschützten Substanzen beruhen, die sich auf Milliarden belaufen. In Deutschland betrifft das allein im Jahr 2020 insgesamt 18 pharmazeutische Substanzen mit einem Umsatzvolumen von 1,13 Milliarden Euro. Das Zytostatikum Bevacizumab, das zusammen mit einer Chemotherapie zur Behandlung von Tumorerkrankungen verabreicht wird, kommt mit 333 Millionen Euro alleine auf einen Umsatzanteil von 30 Prozent.
Profitieren könnten davon in Zukunft auch kleinere europäische Pharmaunternehmen. Produktion und Export von Generika sollen durch Ausnahmeregelungen beim Patentschutz vereinfacht werden. Hierbei geht es einerseits darum, die Unternehmen im Wettbewerb um Anteile an den internationalen Märkten zu stärken.
Andererseits spielt auch die steigende weltweite Nachfrage nach Medikamenten eine Rolle bei der Neuregelung. Generika bilden in vielen Bereichen bereits den Großteil der Medikation, systemische Antibiotika beispielsweise kommen sowohl bei der ambulanten wie bei der stationären Versorgung fast ausschließlich zum Einsatz.
Weitreichender Einsatz und großer Preisdruck
Der Verband der Generika- und Biosimilarunternehmen in Deutschland Pro Generika beziffert den Anteil der Nachahmerpräparate an der gesamten Versorgung des Arzneimittel-Marktes in seinem Rückblick auf das Jahr 2018 auf 78 Prozent. Sie verursachen gleichzeitig aber nur wenig mehr als neun Prozent an den Gesamtausgaben für Medikamente.
Da für Generika Rabattverträge mit den Herstellern abgeschlossen werden können, sparen etwa die Krankenkassen jährlich Milliardensummen ein. Rund ein Drittel der Verträge für Arzneimittel schließen die Krankenkassen dabei mit nur einem Anbieter ab. Das erhöht den Preisdruck, weil üblicherweise das günstigste Medikament den Zuschlag erhält.
Für das deutsche Gesundheitssystem ergeben sich daraus gewisse Schwierigkeiten, besonders bei versorgungsrelevanten und versorgungskritischen Substanzen. Hier macht sich nicht nur eine Marktkonzentration bei einigen wenigen Herstellern bemerkbar, die zu Hauptversorgern generischer Wirkstoffe werden.
Viele dieser Wirkstoffe wie das Breitband-Antibiotikum Ciprofloxacin oder das Makrolid-Antibiotikum Clarithromycin werden zudem vornehmlich im Ausland produziert. Daraus folgt zwangsläufig eine Abhängigkeit bei der Beschaffung wichtiger Generika. Eine Rückverlagerung der Produktion von Antibiotika und anderen Arzneimitteln nach Deutschland ist denkbar. Eine zeitnahe Umsetzung hingegen scheint vorerst nicht realistisch.
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