Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße hat eine sehr aktive Vergangenheit. Es verschluckte noch vor 350 Jahren Materie aus seiner näheren Umgebung, wobei ein starker Lichtblitz entstand. Der Strahlungspuls traf auf die 350 Lichtjahre entfernte Molekülwolke Sagittarius B2 und regte diese zum Leuchten an. Dieses Nachleuchten konnte nun eine internationale Forschergruppe mit Mikhail Revnivtsev vom Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching mit dem Gammasatelliten “Integral” der europäischen Raumfahrtagentur ESA messen. Sie veröffentlichen die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Astronomy and Astrophysics (Bd. 425, S. 49).
Bislang gingen die Forscher davon aus, dass sich das Schwarze Loch in unserer Galaxie in einer Art Ruhezustand befindet. Es hat zwar eine Masse von mehr als einer Million Sonnen, galt aber als eher harmlose Materiefalle. Die Messungen mit dem Gammastrahlen-Observatorium “Integral” zeigten den Wissenschaftlern jedoch ein Schwarzes Loch, das vor 350 Jahren eine Million Mal mehr Energie abgab als heute.
Eigentlich stehen Schwarze Löcher in dem Ruf, alles zu verschlucken. Doch bevor Materie auf Nimmerwiedersehen verschwindet, verdichtet der kosmische Staubsauger in seinem Umfeld Gase und Partikel so extrem, dass Röntgen- und Gammastrahlen entstehen. Einen solchen Gammablitz gab das Schwarze Loch in der Milchstraße auch vor rund 350 Jahren ab. Er dauerte mehrere Jahre lang, durchquerte den interstellaren Raum und schlug in die Molekülwolke aus Wasserstoff ein.
Bis das dort ausgelöste Leuchten auf der Erde sichtbar war, vergingen allerdings noch 26.000 Jahre, denn so lange braucht das Licht für den Weg von der Wolke bis zur Erde. Dennoch sprechen die Astronomen von einem Ereignis, das 350 Jahre zurückliegt, wenn sie den Zeitpunkt des Eintreffens des Lichts auf der Erde als Zeitmaßstab verwenden.
Mit dem Aufflackern der Molekülwolke in astronomisch naher Entfernung zur Materiefalle bekamen die Forscher Hinweise auf die stürmische Vergangenheit unseres Galaxienzentrums. Insbesondere konnten sie entschlüsseln, welche Eigenschaften die Emissionen solcher “stiller” schwarzer Löcher besitzen.
ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





