Vorbeiflug überstanden
Entsprechend gespannt richteten die Astronomen ihre Teleskope auf die Geschehnisse im rund 27.000 Lichtjahre von der Erde entfernten galaktischen Zentrum. Unter ihnen war auch das Team von Andrea Ghez von der University of California in Los Angeles. Sie nutzten die hochauflösende adaptive Optik des W.M. Keck Observatoriums auf Hawaii, um die vermeintliche Gaswolke G2 von März bis August 2014 zu beobachten. Mit Hilfe spektrometrischer Analysen trennten sie die schwächere Strahlung von G2 von dem helleren Leuchten von Sagittarius A* ab und konnte so genau verfolgen, wie es dem Objekte bei der Passage erging.
Das Ergebnis aber widersprach allen Erwartungen: “G2 hat die größte Annäherung an das Schwarze Loch als kompakte, nicht weiter zergliederte Lichtquelle überstanden”, berichten die Astronomen. Statt zu zerfasern und einen Teil seines Gases zu verlieren, blieb das Objekt weitestgehend intakt und schien seinen Weg weiter fortzusetzen. “Das spricht dagegen, dass es sich bei G2 um eine einfache Gaswolke handelt, denn eine solche hätte den Modellen nach große Veränderungen ihrer Helligkeit und Größe erfahren müssen”, konstatieren Ghez und ihre Kollegen. Aber wenn es keine Gaswolke ist, was ist G2 dann?
Verschmolzener Stern statt Gaswolke
Nach Ansicht von Ghez und ihren Kollegen sprechen alle Beobachtungsdaten dafür, dass sich in der vermeintlichen Gaswolke ein kompaktes, schweres Objekt verbirgt: ein junger, etwa zwei Sonnenmassen schwerer Stern, der gerade erst aus der Verschmelzung eines Doppelstern-Paares entstanden ist. Wie die Astronomen erklären, kann die starke Gravitation eines supermassereichen Schwarzen Lochs nahe kreisende Doppelsterne so destabilisieren, dass sich die Partner einander immer weiter annähern und schließlich verschmelzen. “Das könnte häufiger passieren als wir glauben”, sagt Ghez. “Denn die massereichen Sterne im Zentrum der Galaxie sind oft Doppelsterne.”
Bei diesem Prozess des Verschmelzens bläht sich das neu gebildete Konglomerat stark auf – in diesem Stadium scheint nach den Beobachtungen der Forscher G2 im Moment zu sein. Das könnte erklären, warum G2 mit einem Durchmesser von rund zwei astronomischen Einheiten ungewöhnlich groß für seine Masse ist. Dieser aufgeblähte Zustand hält nach Angaben der Forscher rund eine Million Jahre an, bis sich der neue Stern sozusagen zusammengefunden hat und allmählich wieder kompakter wird.
Die große Nähe zum Schwarzen Loch erhitzt zudem die Oberfläche des neuen Kombi-Sterns und es bildet sich eine große Wolke aus Gas und Staub, die den Stern im Inneren völlig verbergen kann.





