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Mikroplastik könnte Herzinfarkte fördern
Gesundheit & Medizin

Mikroplastik könnte Herzinfarkte fördern

Mikroplastik kann sich offenbar in den Herzkranzgefäßen anreichern und Herzinfarkte begünstigen. · Foto: © Mohammed Haneefa Nizamudeen/ iStock

Bedenkliche Befunde: Nano- und Mikroplastik in unserem Blut kann den Blutgefäßen schaden und Herzinfarkte fördern, wie nun eine Studie mit Herzinfarkt-Patienten nahelegt. In deren Blut und Herzkranzgefäßen fanden sich signifikant mehr Plastikpartikel, außerdem mehr Entzündungsmarker. Dies bestätigt Hinweise aus Tierstudien, nach denen Mikroplastik Blutgefäße schädigen und Arteriosklerose begünstigen kann. Doch das Plastik wirkt nicht allein.
Autor
Nadja Podbregar
15. Juli 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Gesundheit & Medizin

Mikroplastik findet sich längst überall: Die winzigen Plastikpartikel sind im Trinkwasser, in unserer Nahrung und in der Luft, die wir atmen. Auch in unsere Gewebe und Organe einschließlich des Gehirns dringen die Kunststoffteilchen ein und reichern sich dort an. Welche Folgen dies für unsere Gesundheit hat, ist allerdings bislang kaum bekannt. Studien an Tieren legen aber nahe, dass das Nano- und Mikroplastik chronische Entzündungen fördern und Gewebe schädigen kann.

Schadet Mikroplastik dem Herzen?

„Es gibt zunehmende Belege dafür, dass das einst als inert geltende Nano- und Mikroplastik eine biologisch aktive Kontamination darstellt“, erklären Pasquale Paolisso vom Sant’Andrea-Universitätsklinikum in Rom und seine Kollegen. Dies gilt auch für das Herz-Kreislaufsystem: Tierversuchen förderte eine hohe Belastung mit Mikroplastik die Bildung von Entzündungen und Ablagerungen in den Blutgefäßen und damit Arteriosklerose.
https://wissenschaft.de/artikel/mikroplastik-in-verstopften-halsschlagadern-gefunden

Aber besteht diese Gefahr auch beim Menschen und für die alltägliche Mikroplastikbelastung? Das haben Paolisso und sein Team jetzt bei 39 Patienten mit schwerem Herzinfarkt oder chronisch verengten Herzkranzgefäßen sowie bei 21 gesunden Kontrollpersonen untersucht. Sie analysierten dafür Blut aus den koronaren Herzarterien und anderen Blutgefäßen, außerdem werteten sie die Krankenakten der Patienten aus und ermittelten zusätzlich, ob sie rauchten und wie hoch die Feinstaubbelastung an ihrem Wohnort war.

Mehr Plastikpartikel bei Herzinfarktpatienten

Die Analysen ergaben: Bei Patienten mit schwerem Herzinfarkt enthielt das Blut der Herzkranzgefäße signifikant häufiger Nano- und Mikroplastik als bei den beiden Vergleichsgruppen. Bei 84 Prozent der Infarktpatienten detektierten Forschenden Plastikpartikel im Blut, bei Patienten mit chronischer koronarer Herzkrankheit waren es 40 Prozent und bei den Gesunden 31,8 Prozent. „Auch die Konzentration des Nano- und Mikroplastiks war bei den Herzinfarktpatienten signifikant höher“, berichtet das Team.

Um mehr über mögliche ursächliche Zusammenhänge herauszufinden, analysierten die Forschenden auch verschiedene Entzündungsmarker im koronaren Blut der Testpersonen. Dabei zeigten sich ebenfalls Auffälligkeiten: Bei den Infarktpatienten mit Mikroplastik in den Herzkranzgefäßen waren auch Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-6 und der Tumornekrosefaktor Alpha in den Adern des Herzens deutlich erhöht.

Ursächlicher Zusammenhang wahrscheinlich

“Dies stützt einen möglichen Zusammenhang zwischen der Mikroplastikbelastung und einem lokal pro-entzündlichen Milieu bei Patienten mit obstruktiver koronarer Herzkrankheit“, schreiben Paolisso und seine Kollegen. Das bedeutet: Es ist wahrscheinlich, dass das von uns über die Luft aufgenommene Mikroplastik unsere Blutgefäße schädigt und Herzkrankheiten fördert.

Ähnlich sehen dies der nicht an der Studie beteiligte Kardiologe Andreas Daiber und seine Kollegen von der Universität Mainz: „Obwohl erhebliche Unsicherheiten bleiben, deutet das Zusammenspiel epidemiologischer, klinischer und mechanistischer Belege darauf hin, dass die Mikroplastikbelastung einen bislang unterschätzten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten darstellen könnte.“

Mit Feinstaub und Tabakrauch ins Blut

Doch wie kommt das Mikroplastik ins Blut der Herzarterien? Hinweise darauf lieferte die Vorgeschichte und Lebensweise der Patienten: Diejenigen mit erhöhten Mikroplastikwerten im Blut lebten häufiger in Wohngebieten mit anhaltend erhöhten Feinstaubwerten, wie die Forschenden feststellten. Diese Patienten waren dadurch mindestens ein Jahr lang oder länger einer erhöhten Feinstaubbelastung über dem WHO-Grenzwert von 15 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ausgesetzt

Noch deutlicher war jedoch der Zusammenhang mit einem zweiten Faktor: dem Rauchen. „Interessanterweise wurde bei allen Herzinfarktpatienten mit Raucher-Vorgeschichte Plastikpartikel nachgewiesen, aber bei keinem der nichtrauchenden Kontrollen“, berichtet das Team. Das legt nahe, dass das Rauchen die Aufnahme von Plastikpartikeln fördert. Aber wie? Direkt aus den Zigarettenfiltern stammten die Kunststoffpartikel offenbar nicht, weil diese andere Plastiksorten enthalten, wie Analysen ergaben.

Stattdessen vermuten die Mediziner einen indirekten Mechanismus: „Zigarettenrauchen stört bekanntermaßen die Integrität der Schleimhautbarriere, vor allem in den Atemwegen“, erklären sie. Dadurch macht es das Rauchen für Nano- und Mikroplastik leichter, aus der Atemluft über die Lunge ins Blut zu gelangen. „Auf ähnliche Weise könnte die Luftverschmutzung durch Feinstaub die Aufnahme der Plastikpartikel begünstigen“, erklären Paolisso und seine Kollegen.

Gemeinsam schädlicher

Nach Ansicht des Forschungsteams unterstreichen ihre Resultate, dass auch Nano- und Mikroplastik immer mehr zu einer Gefahr für unsere Gesundheit wird. „Wir müssen die Mikroplastikbelastung als Teil der Umwelteinflüsse auf unsere Gesundheit sehen“, betonen sie. Gleichzeitig sei es wichtig, Risikofaktoren wie Rauchen, Feinstaub und Mikroplastik nicht isoliert zu betrachten. Denn diese Belastungen wirken zusammen und verstärken ihre gesundheitsgefährdenden Effekte gegenseitig.

Für jeden Einzelnen bedeutet dies: Wer sein Herz und seine Adern schützen möchte, sollte zumindest auf das Rauchen verzichten, denn dies öffnet Feinstaub und Mikroplastik ein Einfallstor in unseren Körper.

Quelle: Pasquale Paolisso (Sant‘Andrea University Hospital, Rom) et al., European Heart Journal, 2026; doi: 10.1093/eurheartj/ehag447

ArterioskleroseHerzinfarktHerzkranzgefäßeMikroplastikNanoplastik
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