Wenn Plastikabfälle in die Umwelt gelangen, zersetzen sie sich nach und nach in immer kleinere Partikel. Bei einer Größe von weniger als fünf Millimetern spricht man von Mikroplastik, bei einem Durchmesser unterhalb von einem Mikrometer von Nanoplastik. Über die Nahrung und das Trinkwasser gelangen die winzigen Plastikteilchen in unseren Körper und können sich dort anreichern. Bereits frühere Studien haben Mikro- und Nanoplastik im Körper mit zahlreichen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, von Atemwegserkrankungen über Krebs bis hin zu neurologischen Störungen. 2024 wurden zudem Plastikpartikel in Ablagerungen entdeckt, die die Halsschlagadern verengen. Patienten mit besonders hohen Konzentrationen an Mikro- und Nanoplastik in den Plaques hatten ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.
Mikro- und Nanoplastik in Plaques
Diesem Phänomen ist Team um Ross Clark von der University of New Mexico in Albuquerque nun genauer nachgegangen. Dazu untersuchten die Forschenden operativ entfernte Plaques von Patienten mit einer verengten Halsschlagader. Ein Teil der Patienten hatte bereits vor der Operationen Symptome wie einen Schlaganfall oder vorübergehende Sehstörungen erlitten, andere hatten noch keine Symptome. Zum Vergleich nutzten Clark und sein Team Proben aus den Halsschlagadern von verstorbenen Körperspendern mit gesunden Blutgefäßen.
Tatsächlich stellten die Forschenden fest, dass sich Mikro- und Nanoplastik offenbar in den Plaques angereichert hatte: Während das Gewebe der gesunden Arterien nur durchschnittlich 57 Mikrogramm Plastik pro Gramm enthielt, war der Plastikgehalt in den Plaques der Patienten ohne Symptome 16-fach erhöht auf 895 Mikrogramm pro Gramm. Bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall oder andere Symptome hatten, betrug der Wert sogar 2888 Mikrogramm pro Gramm, war also mehr als 50-mal höher als normal.
Komplexe Auswirkungen
Um den zugrundeliegenden Mechanismen auf die Spur zu kommen, verglichen Clark und sein Team zudem die Genaktivität und die Immunregulation in arteriellen Plaques mit hoher und niedriger Plastikkonzentration. Dabei zeigte sich, dass in den Plaques mit hohem Kunststoffgehalt mehrere Gene hochreguliert waren, darunter Gene für Proteine, die das Zytoskelett stabilisieren. Das Gen für ein entzündungshemmendes Protein war dagegen herunterreguliert. In Bezug auf akute Entzündungen stellten Clark und sein Team keine Unterschiede fest. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die biologischen Wirkungen von Mikronanoplastik auf die Ablagerungen komplexer und nuancierter sind, als nur eine plötzliche Entzündung auszulösen“, sagt Clark.
Ob es tatsächlich einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Plastikgehalt der Plaques und den klinischen Symptomen gibt, lässt sich aus den aktuellen Ergebnissen nicht schließen. „Es ist sehr wichtig, zu untersuchen, was diese Materialien in unserem Körper bewirken. Allerdings sollten wir die ersten Ergebnisse dieser Studie mit Vorsicht genießen. Wir werden die biologischen Auswirkungen erst in vielen Jahren vollständig verstehen“, sagt Clark.





