Nicht nur die Flüchtlingsströme nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, auch die beträchtliche Migration der Zwischenkriegszeit zeigt bereits Entwicklungslinien, die auf die heutige Problematik verweisen. Jochen Oltmer hat sich dieses bisher in der Forschung eher vernachlässigten Themas angenommen. In seiner Habilitationsschrift untersucht er minutiös die Einwanderungspolitik der Weimarer Zeit zwischen zwei an sich unvereinbaren Polen: Dem Bemühen um ethnische Homogenität stand der Bedarf an Arbeitskräften für die Wirtschaft entgegen. Unter anderem schildert Oltmer die Maßnahmen gegenüber den Übersiedlern aus Elsaß-Lothringen, den deutschen Flüchtlingen aus den nach dem Ersten Weltkrieg abgetretenen Gebieten oder den jüdischen Pogromflüchtlingen aus dem Osten.
Der Aufnahmepolitik trat, so sein Ergebnis, keine durchdachte Integrationspolitik an die Seite – auch hier kann man sich an heute erinnert fühlen.
Rezension: Talkenberger, Heike





