Die eisähnlichen Methanhydrate, feste Verbindungen aus Wasser und Methan, sind wahrscheinlich für zahlreiche Erdrutsche auf dem Meeresgrund während der Eiszeit verantwortlich. Das berichten Forscher um Mark Maslin vom University College London in der Fachzeitschrift Geology (Bd. 32, Nr. 1, S. 53).
Maslin und seine Kollegen wollten untersuchen, ob Methanhydrate, die an vielen Ozeanrändern die Kontinentalhänge durchsetzen, für Methan-Schwankungen in der Atmosphäre verantwortlich sein könnten. Methanhydrate sind nur bei tiefen Temperaturen und hohem Druck stabil und lösen sich auf, wenn entweder die Wassertemperaturen steigen oder der Druck nachlässt, zum Beispiel bei sinkendem Meeresspiegel. Wenn größere Mengen Methan bei einem so ausgelösten Hangrutsch freigesetzt werden, könnte sich das Klima erwärmen, da Methan ein starkes Treibhausgas ist.
Die Forscher verglichen den Zeitpunkt von Erdrutschen an den Hängen im Nordatlantik mit Klimaveränderungen während der letzten 45.000 Jahre. Sie stellten fest, dass sich während des Übergangs von der Eiszeit zur jetzigen Warmzeit vor allem in hohen Breiten solche Erdrutsche ereignet haben. Die Forscher führen dies nicht auf eine Erwärmung des Meerwassers zurück, sondern auf Erdbeben: Nachdem die Eisschilde über Europa und Nordamerika verschwunden waren, stiegen die vom Eis niedergedrückten Kontinente wieder empor. Dadurch kam es zu Erdbeben, bei denen die Hänge in Bewegung geraten sein könnten. So seien wahrscheinlich die im Meeresboden eingeschlossenen Methanhydrate freigesetzt worden und das Methan in die Atmosphäre entwichen. Da ein Kontinentalhang bei einer solchen Rutschung auf einer Breite von einigen hundert Kilometern absacken kann, könnten die freigesetzten Methanmengen durchaus für das Klima relevant sein.
Während der kältesten Perioden der Eiszeit, so fanden die Forscher heraus, gerieten vor allem die Kontinentalhänge in niedrigeren Breiten ins Rutschen. Die Forscher vermuten, dass dafür der niedrige Meeresspiegel verantwortlich war.
Wenn sich die Erde in Zukunft erwärmt, rechnen die Forscher mit Methanausbrüchen am Rand von Grönland und der Antarktis. Es gebe Hinweise darauf, dass die Eisschilde in diesen Gebieten bereits anfingen zu schmelzen, schreiben die Forscher. Im Falle größerer Rutschungen sei auch mit gefährlichen Flutwellen zu rechnen.
Ute Kehse





