Für manche Frauen, die die Diagnose Brustkrebs erhalten, ist die Krankheit eine alte Bekannte. Denn bei ihnen litt bereits die Mutter, die Oma oder die Tante daran – der Krebs tritt in ihren Familien gehäuft auf. Dies kann darauf hindeuten, dass die Patientinnen an einer erblichen Form von Brustkrebs leiden. Verantwortlich dafür können zum Beispiel Mutationen im sogenannten Brustkrebsgen BRCA1 sein. Bei diesem Erbgutabschnitt handelt es sich um ein Tumorsuppressorgen, das eine wichtige Rolle für die DNA-Reparatur spielt – und damit der Entartung von Körperzellen entgegenwirkt. Bestimmte Veränderungen in diesem Gen führen aber zum Verlust dieser Funktion. Betroffene Frauen haben dadurch ein besonders hohes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Häufigere Kontrolluntersuchungen oder die vorsorgliche Entfernung der Brust können dann eine Möglichkeit sein, dem Krebs trotzdem zu entkommen. Für letztere Variante hat sich vor einigen Jahren zum Beispiel Angelina Jolie entschieden.
Ungewissheit statt Sicherheit
Doch nicht immer ist das individuelle Risiko so klar festzustellen wie bei der US-Schauspielerin: Bei vielen Frauen fällt der Gentest alles andere als eindeutig aus. Der Grund: Zwar kennen Mediziner inzwischen einige Mutationen im BRCA1-Gen, die das Risiko für Brustkrebs mit ziemlicher Sicherheit deutlich erhöhen. Bei tausenden anderen Mutationen sind die Auswirkungen aber unbekannt – Experten sprechen von Varianten ungewisser Bedeutung. “Frauen mit entsprechender familiärer Vorgeschichte werden regelmäßig auf BRCA1-Mutationen untersucht”, sagt Lea Starita von der University of Washington in Seattle. “Erklärt zu bekommen, dass sie eine Mutation in diesem Gen haben, aber der Arzt nicht weiß, was sie bedeutet, nimmt den Frauen nicht gerade ihre Ängste – im Gegenteil.”
Starita und ihre Kollegen um Studienleiter Gregory Findlay haben nun eine Methode entwickelt, um diese Ungewissheit in Zukunft zu minimieren. Ihre Idee: Mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 lassen sich tausende Mutationen im BRCA1-Gen künstlich herbeiführen – sogar solche, die vom Menschen noch gar nicht bekannt sind. Welchen Effekt die einzelnen Veränderungen haben, zeigt sich dann in Zellversuchen. Denn der Verlust der krebshemmenden BRCA1-Funktion führt bei bestimmten menschlichen Zelllinien in der Petrischale zum Tod. “Im Prinzip kategorisieren wir alle möglichen Mutationen in kritischen Regionen des BRCA1-Gens als entweder krankheitsauslösend oder harmlos”, erklärt Findlay den Ansatz. Dank der jüngsten Fortschritte in der Gentechnik war es ihm und seinem Team möglich, innerhalb von nur sechs Monaten fast 4.000 Mutationen mit ihrer Methode zu testen und deren Risikopotenzial einzustufen.





