Um die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 zu bremsen und eine Überlastung der Gesundheitssysteme während der Pandemie zu vermeiden, wurden weltweit Shutdowns veranlasst. Dadurch konnten die Infektionswellen zumindest zum Teil gemindert werden. Allerdings mit negativen Nebenwirkungen: Zum Beispiel verloren viele Menschen ihre Arbeit, psychische Belastungen nahmen zu und die Bildung wurde behindert. Das Schließen von Geschäften und der vermehrte Aufenthalt in den eigenen vier Wänden führte zudem dazu, dass Menschen sich mehr Dinge liefern ließen.
Deutliche Veränderungen im Konsumverhalten
Ob die Shutdowns dadurch auch zu einem mehr Müll geführt haben, haben nun Wissenschaftler um Walter Leal von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg untersucht. „Die internationale Studie analysiert den Konsumverbrauch und das Abfallaufkommen seit Beginn der der Covid-19-Pandemie“, erklärt Leal. Die Forscher führten dazu eine Umfrage zum Aufkommen verschiedener Arten von Hausmüll vor und während der Pandemie und dem Konsumverhalten der Menschen durch. Dabei befragten sie rund 200 Probanden aus insgesamt 23 Ländern, wie beispielsweise Portugal, Brasilien, Kanada, Bangladesch, Neuseeland und Vietnam.
Das Ergebnis: Die nahezu in allen Regionen herrschenden Lockdowns führten tatsächlich zu einem geänderten Konsumverhalten, das sich auch im Abfall niederschlug. So gaben über 45 Prozent aller Befragten an, mehr verpackte Lebensmittel gekauft zu haben und sich häufiger Lebensmittel und Fertiggerichte liefern zu lassen. Dieses Ergebnis führt das Forscherteam darauf zurück, dass die Menschen seit Beginn der Pandemie vermehrt zu Hause sind und sich dort anders verhalten als üblich. „Die Pandemie verursacht deutliche Änderungen im Verhalten der Verbraucher“, so Leal.
Erst Hamsterkäufe, dann Quarantäne und Frustessen
Die erste Veränderung in Bezug auf den Kauf und Verzehr von Lebensmitteln könnte laut der Wissenschaftler zu Beginn der Pandemie stattgefunden haben. Zu der Zeit wurden vielerorts haltbare Lebensmitteln in großen Mengen gekauft und gelagert. „Zu Beginn der Pandemie war das Verständnis für das Virus und seine Folgen begrenzt und die Menschen begannen, sich mit Lebensmitteln zu versorgen, um das Risiko einer zukünftigen Lebensmittelknappheit abzumildern“, erklären Leal und seine Kollegen. Unter anderem berichteten bei der Studie über 80 Prozent der Befragten aus Norwegen und rund 40 Prozent der Befragten aus Vietnam, dass sie zusätzliche Trockenwaren gekauft haben. In Italien stieg bis Mitte März 2020 der Verkauf verpackter Lebensmittel um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch lange haltbare Tiefkühlprodukte wurden vermehrt gekauft – in den USA sogar über 90 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im März 2020 wurden in Italien zudem 80 Prozent mehr Brot gekauft, und in Deutschland doppelt so viele getrockneten Kartoffelprodukten wie üblich.





