Ob Ebola, Influenza, Covid-19 oder die Tollwut: Die meisten unserer Virusinfektionen werden durch RNA-Viren verursacht. Sie sind nahezu überall verbreitet und können sich durch ihre hohe Mutationsrate schnell an neue Wirte und Umgebungen anpassen. Doch genau diese Vielfalt macht es schwer, diese Viren aufzuspüren und noch unbekannte Varianten zu identifizieren. Ein Großteil der irdischen Virosphäre gilt daher als „Dunkle Materie“ – weniger als ein Prozent aller Viren sind bisher bekannt.
Virenfahndung in 102 Städten weltweit
In einem globalen Kartierungsprojekt haben nun Forschende unter Leitung des International MetaSUB Consortium gezielt nach noch unerkannten RNA-Viren in der Stadtumgebung gesucht. Dafür sammelten sie im Frühjahr 2020 Proben aus 102 Städten in 31 Ländern, darunter den USA, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Die Abstrichproben stammten von vielberührten Oberflächen in U-Bahnen, an Bushaltestellen oder Bahnhöfen, aber auch aus Krankenhäusern, Banken und anderen Gebäuden. Zusätzlich nahm das Team Proben aus Grünflächen, Gewächshäusern, Teichen und dem Abwasser.

Probenorte für die Kartierung städtischer RNA-Viren. — © Gao et al./ Nature Communications, CC-by-nc-nd 4.0
Für ihre Analysen nutzte das Team die Metatranskriptomik. Dabei wird zunächst die gesamte RNA in einer Probe sequenziert – egal, ob sie von Bakterien, Viren oder anderen Mikroorganismen stammt. „Man erhält dadurch eine Vielzahl von Genomfragmenten. Die Herausforderung besteht nun darin, herauszufinden, von wem sie stammen: Handelt es sich um ein Bakterium? Ist es ein Virus? Und wenn es ein Virus ist, um welchen Typ handelt es sich?“, erklärt Co-Autor Antônio Pedro Camargo von der Universität São Paulo.






