Dass Alkohol nicht gut für das Gehirn ist, ist allgemein anerkannt. In Frage steht allerdings, ab welcher Menge der Alkoholkonsum einer Person als problematisch einzustufen ist und bis zu welchem Grad er als gesundheitlich tolerierbar gilt. Internationale Standards nennen als „risikoarmen Konsum“ etwa ein Standardglas am Tag für Frauen und doppelt so viel für Männer. Ein Standardglas entspricht dabei – mit leichten Abweichungen zwischen den Ländern – etwa acht bis zwölf Gramm reinem Alkohol oder ungefähr 300 Millilitern Bier oder 100 Millilitern Wein.
Empfohlene „sichere“ Mengen zu hoch
Eine neue Studie legt nun nahe, dass bereits diese angeblich risikoarmen Mengen merkliche Auswirkungen auf das Gehirn haben. Ein Team um Remi Daviet von der University of Wisconsin-Madison hat Daten von mehr als 36.000 Erwachsenen ausgewertet, die für die UK Biobank Fragen zu ihrer Gesundheit und ihrem Lebensstil beantwortet und genetische Daten zur Verfügung gestellt haben und von denen MRT-Hirnscans vorliegen. „Die Tatsache, dass wir eine so große Stichprobe haben, ermöglicht es uns, subtile Muster zu finden, sogar zwischen dem Trinken des Äquivalents von einem halben Bier und einem Bier pro Tag“, sagt Co-Autor Gideon Nave von der University of Pennsylvania.
Während frühere, kleinere Studien für geringe Mengen Alkohol keine negativen gesundheitlichen Folgen festgestellt haben, zeigt der große Datensatz, auf den Daviet und seine Kollegen zurückgriffen, eine deutliche Korrelation: Personen, die einen höheren Alkoholkonsum angaben, hatten ein geringeres Hirnvolumen als Personen, die weniger Alkohol konsumierten. Dabei kontrollierten die Forscher auf Faktoren wie Alter, Größe, Händigkeit, Geschlecht, Raucherstatus, sozioökonomischen Status, genetische Abstammung und Wohnort. „Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu den wissenschaftlichen und staatlichen Richtlinien über sichere Trinkmengen“, sagt Naves Kollege Henry Kranzler. „Die offiziell empfohlenen Grenzwerte liegen oberhalb der Mengen, die in der Studie mit einem verringerten Gehirnvolumen in Verbindung gebracht wurden.“
Hirn altert um Jahre
Je höher der Alkoholkonsum, desto deutlicher die in der Studie beobachteten Auswirkungen. So war der Unterschied zwischen Menschen, die abstinent lebten und solchen, die maximal eine Alkoholeinheit am Tag konsumierten, geringer als der zwischen Menschen, die statt einem Standardglas täglich zwei konsumierten. „Es ist nicht linear“, sagt Daviet. „Es wird schlimmer, je mehr man trinkt.“ Die Verringerungen des Hirnvolumens betrafen fast alle Regionen des Gehirns, darunter den frontalen Kortex, die Insula und den Hirnstamm. Zudem beobachteten die Forscher Veränderungen in der Struktur der weißen Masse.





