Ein Temperaturanstieg im Oberflächenwasser der Weltmeere könnte zu einer vermehrten Kohlendioxidproduktion von Meeresbakterien führen und damit zu einer zusätzlichen Verstärkung des Treibhauseffektes. Das befürchten zwei Forscher, die die Abgabe von Kohlendioxid bei Meeresorganismen abhängig von der Temperatur untersucht haben. Ihr Ergebnis haben sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift ” Science” vorgestellt.
Der Kohlendioxidaustausch zwischen Ozeanen und Atmosphäre ergibt sich im wesentlichen aus der Differenz zwischen dem Kohlendioxid, das vom pflanzlichen Plankton aufgenommen wird, und dem Kohlendioxid, das von Meeresbakterien ausgeatmet wird. Richard Rivkin von der kanadischen Memorial University of Newfoundland und sein französischer Kollege Louis Legendre untersuchten die Effizienz, mit der Meeresbakterien den in ihrer Nahrung enthaltenen organischen Kohlenstoff verwerten.
Sie fanden, dass die Bakterien den Kohlenstoff umso effizienter in Biomasse umsetzen, je kälter es ist. Als Folge wird in den Polarmeeren nach Absterben der Bakterien beziehungsweise der Lebewesen, denen sie als Nahrung dienten, prozentual mehr Kohlenstoff zum Meeresgrund transportiert als in den Tropen. Da der restliche Kohlenstoff als Kohlendioxid ausgeatmet wird, bedeutet dieses Ergebnis im Umkehrschluss, dass die Bakterien umso mehr Kohlendioxid an die Atmosphäre abgeben, je wärmer es ist. Rivkin und Legendre weisen darauf hin, dass dieser Effekt in Klimamodellen bisher nicht berücksichtigt wurde.
Axel Tillemans





