Ob Herzinfarkt, Depression, Krebs oder Diabetes – immer häufiger werden Bakterien und Viren als Verursacher von Krankheiten ausgemacht. l 1983 lieferte Prof. Harald zur Hausen vom Krebsforschungszentrum in Heidelberg den Beweis, daß Papillomaviren, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, Gebärmutterhalskrebs verursachen. Andere Viren, die dem Aids-Erreger ähneln, verursachen Blutkrebs (Leukämie). l 1984 belegte Prof. Barry Marshall aus Perth im Selbstversuch, daß das Bakterium Helicobacter pylori Gastritis sowie Geschwüre des Magens und des Zwölffingerdarms auslöst. Heute werden Magengeschwüre erfolgreich mit Antibiotika – plus Magensäure-Hemmer – behandelt. l 1988 stellte der Finne Dr. Pekka Saikku von der Universität Helsinki die These auf, daß das Bakterium Chlamydia pneumoniae Arteriosklerose hervorrufen könnte. In der Fachwelt wird die Entdekkung erst jetzt anerkannt. l 1996 isolierten Forscher des Robert-Koch-Instituts und der FU Berlin das beim Menschen bis dahin unbekannte Borna-Virus aus dem Blut depressiver Patienten. In diesem Jahr berichteten sie, daß die Depression sich anhaltend bessert, wenn man die Viren durch Medikamente tötet. Borna-Viren wurden auch in den Gehirnen von Schizophrenie-Patienten gefunden. l In diesem Jahr entdeckten amerikanische Forscher das aus fettleibigen Hühnern isolierte Adenovirus 36 auch in übergewichtigen Menschen. Ob es tatsächlich dick macht, ist noch unklar. Sicher ist aber seit kurzem, daß eine Impfung gegen das Virus Hepatitis B gegen Leberkrebs schützen kann. Weitere Verdächtige: Retroviren sollen Diabetes auslösen, ein Bakterium die Darmentzündung Colitis ulcerosa.
Nicola Siegmund-Schultze





