Migräne ist eine der häufigsten Schmerzerkrankungen weltweit, mehr als eine Milliarde Meschen sind betroffen. In Deutschland leiden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts knapp 15 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer unter wiederkehrenden Migräneattacken. Typisch dafür sind einseitige, oft starke pochende Kopfschmerzen, begleitet von Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Erschöpfung. In einigen Fällen treten vor Beginn einer Attacke Wahrnehmungsstörungen, sogenannte Auren auf. Eine Migräneattacke kann mehrere Stunden, im Extremfall auch mehrere Tage anhalten. Bei starken Attacken sind Betroffene oft nicht mehr arbeitsfähig und ihre Lebensqualität leidet stark. Ob ein Mensch an Migräne leidet, ist zum Teil genetisch bedingt, zudem zeigen die Betroffenen auch zwischen den Attacken häufig Auffälligkeiten im Hirnstoffwechsel und der Hirnanatomie. Wie oft akute Attacken auftreten, hängt jedoch meist von zusätzlichen Faktoren wie der Ernährung, Stress oder auch den Hormonen ab.
17 Präparate aus fünf Klassen im Vergleich
Doch was hilft am besten gegen die schmerzhaften Migräneanfälle? Die meisten Betroffenen bekämpfen die Schmerzen noch immer mit klassischen Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Doch es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, die spezifischer gegen die Migräne wirken. Unter ihnen sind die Triptane, die an den Serotonin-Rezeptoren im Gehirn ansetzen und sowohl die Kopfschmerzen als auch die Begleitsymptome wie Übelkeit und Reizempfindlichkeit dämpfen. Weil sie jedoch auch die Gefäße verengen, sind sie für Menschen mit Durchblutungsstörungen nur bedingt geeignet. Unter anderem deshalb wurden mit den Ditanen noch spezifischere Mittel entwickelt, die nur an einem bestimmten Serotonin-Rezeptor andocken und die Adern nicht verengen. Ebenfalls relativ neu zur Migränebehandlung zugelassen sind Medikamente, die auf eine weitere, an der Migräne beteiligte Andockstelle wirken, den CGRP-Rezeptor. Diese sogenannten Gepante hemmen die Ausschüttung eines bestimmten Peptids, das unter anderem die Hirngefäße bei Migräne erweitert und an der Entstehung der Migräneattacken beteiligt ist.
“Angesichts der breiten Palette von Medikamenten für die akute Migränebehandlung ist es für Patienten und behandelnde Ärzte wichtig zu wissen, welches die beste Wahl für die Betroffenen ist”, sagen William Karlsson vom Universitätsklinikum Kopenhagen und seine Kollegen. “Doch bisher gibt es keine Einigkeit darüber, welche Mittel aus diesen verschiedenen Wirkstoffklassen primär eingesetzt werden sollten.” Um mehr Klarheit zu schaffen, hat das Forschungsteam deshalb eine sogenannte Netzwerk-Metaanalyse durchgeführt. Bei dieser wurden 137 randomisierte und kontrollierte Studien mit insgesamt 89.445 Teilnehmenden ausgewertet, die die Wirksamkeit von 17 Medikamenten aus den verschiedenen Stoffklassen gegen ein Placebo untersucht hatten. Vergleichskriterien waren der Rückgang der Schmerzen zwei Stunden nach Einnahme sowie die Schmerzfreiheit nach 24 Stunden. Auch die Wirkung auf Begleiterscheinungen sowie die Nebenwirkungen der Arzneimittel berücksichtigte das Team.





