Bei der neurodegenerativen Krankheit Alzheimer sterben die Nervenzellen im Gehirn der Betroffenen nach und nach ab. Untersuchungen zeigen, dass sich Plaques aus fehlgefalteten Beta-Amyloid-Proteinen zwischen den Nervenzellen ablagern. Zudem sind bei Alzheimer die Tau-Proteine im Inneren der Nervenzellen krankhaft verändert und lagern sich zu sogenannten Tau-Fibrillen zusammen. Beide Prozesse tragen zur Zerstörung der Nervenzellen bei. Erste Therapieansätze versuchen daher, die schädlichen Amyloid-Plaques im Gehirn abzubauen. In den USA sind bereits die beiden Wirkstoffe Aducanumab und Lecanemab zugelassen, die diesen Ansatz verfolgen. Eine Zulassung in Europa steht noch aus, unter anderem weil bislang nur eine geringfügige Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte.
Langsamere Verschlechterung
Nun hat sich ein drittes potenzielles Alzheimer-Medikament in einer klinischen Phase-3-Studie als erfolgreich erwiesen. Ebenso wie bei Aducanumab und Lecanemab handelt es sich bei dem neuen Wirkstoff Donanemab um monoklonale Antikörper, die sich gezielt gegen Strukturen der fehlgefalteten Beta-Amyloid-Proteine richten und die Plaques auflösen sollen. Für die Studie hat der Hersteller Eli Lilly das Medikament 18 Monate lang an insgesamt 1736 Alzheimer-Patienten aus acht Ländern getestet. Dabei erhielt die Hälfte der Probanden den Wirkstoff, die andere Hälfte ein Scheinmedikament. Weder die Patienten noch ihre Ärzte wussten, wer das echte Medikament und wer ein Placebo bekam.
Während der Studie überprüften die Forschenden regelmäßig die kognitiven Leistungen und Alltagsfähigkeiten der Probanden mit Hilfe etablierter Alzheimer-Tests. Im Laufe der 18 Monate verzeichneten sie bei allen Teilnehmern eine Verschlechterung. Bei denen, die Donanemab erhalten hatten, schritt der kognitive Abbau jedoch langsamer voran. Auf einer Skala von 0 bis 144 Punkten verschlechterten sich die Personen aus der Donanemab-Gruppe während der Studienlaufzeit um durchschnittlich 10,2 Punkte, die Personen aus der Placebo-Gruppe um 13,1 Punkte. Betrachteten die Forschenden nur Probanden, die zu Beginn der Studie in einem sehr frühen Krankheitsstadium mit nur wenigen Tau-Fibrillen im Gehirn waren, betrug die Verschlechterung in der Donanemab-Gruppe nur 6,02 Punkte, in der Placebo-Gruppe waren es dagegen 9,26 Punkte. „Die Behandlung mit Donanemab verlangsamte also signifikant das Fortschreiten der Krankheit“, fassen die Studienautoren zusammen.
Abwägung zwischen Nutzen und Risiko
Allerdings verzeichnete das Forschungsteam auch zahlreiche, teils schwerwiegende Nebenwirkungen bei den Behandelten. „Bei 205 Personen aus der Donanemab-Gruppe zeigten sich in Hirnscans Anomalien wie Ödeme“, berichtet das Team. Das entspricht 24 Prozent der Behandelten. Bei 52 dieser Personen gingen die in der Bildgebung entdeckten Auffälligkeiten mit merklichen Symptomen einher, bei den anderen klangen sie symptomlos wieder ab. In der Placebo-Gruppe dagegen traten solche Anomalien nur bei 18 Patienten auf, von denen keiner merkliche Symptome entwickelte. Drei Todesfälle in der Donanemab-Gruppe und einen Todesfall in der Placebo-Gruppe brachten die Gutachter, die nicht wussten, welcher Patient in welcher Gruppe war, mit der Behandlung in Verbindung.





