Auch die Bedeutung von Aerosolen haben wir kennengelernt. Und dass es sich dabei keineswegs um eine moldawische Fluglinie handelt. Wir stoßen einiges an Aerosolen aus beim Atmen – beim Reden mehr, beim Singen noch mehr, und über Schreien freuen sich alle, die aerosolgeladene Luft schätzen. Um uns vor der viralen Fracht zu schützen, die Aerosole geladen haben können, halten wir Abstand und tragen, wenn das nicht möglich ist, seit vielen Monaten Masken. Eine einfache und billige Maßnahme, deren Wirksamkeit wissenschaftlich als unbestritten gilt.
Atmen am unteren Ende
Aber ist das nicht nur halb zu Ende gedacht? Es kommt ja nicht nur oben Luft raus aus uns. Wir atmen ja auch am anderen Ende des Körpers. Aber erstens in der Regel höchstens aus – und zweitens sagen die wenigsten atmen dazu. Und weil man normalerweise nicht extra näher hingeht, wenn jemand Blähungen hat, um das Aroma mit einem Lungenzug zu genießen, ist Abstandhalten in dem Fall einfach. Aber es gibt Extremsituationen. Im Bubenzimmer beim Schulskikurs etwa, wenn man von gemeinen Mitschülern festgehalten wird und der Klassen-Bully einem einen in die Nase zimmert. Besteht dabei Ansteckungsgefahr mit Corona? Was sagt die Wissenschaft dazu? Sie definiert erst einmal, wovon genau die Rede ist.
Als Flatulenz oder Furz, österreichisch auch Schas, bezeichnet man die Entweichung von Gasen, wie Methan, Kohlenstoffdioxid und Schwefelwasserstoff, die im Darm beim Verdauungsvorgang entstehen. Die meisten Gase diffundieren in den Blutkreislauf und werden über die Lunge ausgeschieden. Ein Furz wird erst zum Furz, wenn er den entsprechenden Körperausgang wählt. Als Darmgas ist er quasi noch eine Stammzelle. Unser täglicher Gasüberschuss, der nicht über die Lunge abgeschieden wird, beträgt etwa einen halben bis eineinhalb Liter.
Brennbar und explosiv
Diese Flatulenz kann brennbar sein. Die chemischen Elemente beziehungsweise Verbindungen Wasserstoff, Schwefelwasserstoff und Methan unterliegen der EU-Gefahrstoffkennzeichnung für hochentzündliche Gefahrenstoffe. Als solche gelten unter anderem Gase, die bei Raumtemperatur und normalem Luftdruck in Mischung mit Luft explosiv sein können.
Diesen Tatbestand erfüllen alle drei Verbindungen eindeutig – und sind dafür verantwortlich, dass Furze entzündbar sind. Wegen der großen Variationsbreite der Zusammensetzung – es können beispielsweise zwischen 0 und 10 Prozent Methan und zwischen 0 und 50 Prozent Wasserstoff enthalten sein – sind manche Blähungen entzündbar, andere jedoch nicht. Sehr lange brennen sie aber in keinem Fall. Wer einen Flammenwerfer benötigt, muss man auf andere Gerätschaften zurückgreifen.
Zurück zu den Aerosolen. Die können immer dann entstehen, wenn Luft an Flüssigkeit vorbeiströmt und Teilchen mitnimmt. Es handelt sich dabei also, wenn wir von Blähungen sprechen, um das, was man im Wienerischen einen Materialschas nennt – auch wenn das transportierte Material mikroskopisch klein sein sollte. Infektionen können grundsätzlich zwar viele Routen wählen, aber für die Verbreitung des Coronavirus war der Enddarm sicher nicht Hauptübertragungsroute. Vermutlich auch deshalb hat der ehemalige österreichische Bundeskanzler das Schließen dieser Route nicht auch noch für sich reklamiert.





