Magnetstimulation gegen die inneren Stimmen
Wie solche Stimmen im Kopf entstehen, ist bisher aber nur in Teilen geklärt. Bekannt ist, dass sich dabei die Reizverarbeitung im Gehirn quasi verselbstständigt: Obwohl kein Reiz von außen vorliegt, werden die Hirnareale und Verknüpfungen aktiv, die auch bei der Verarbeitung einer echten Stimme feuern. Tiefere Einblicke in die Vorgänge bei diesen akustischen Halluzinationen und Hoffnung auf eine Behandlung bringt nun eine Pilotstudie von Dollfus und ihren Kollegen. Sie haben getestet, wie sich die gezielte transkranielle Magnetstimulation (TMS) bestimmter Hirnareale auf das Stimmenhören bei Schizophreniekranken auswirkt. Bei dieser Behandlung wird eine Magnetfelder erzeugende Spule von außen an den Schädel der Patienten gehalten. Je nach Art der Felder kann diese Stimulation bestimmte Hirnareale entweder aktivieren oder lahmlegen. Im Rahmen der Studie erhielten 26 stimmenhörende Patienten zwei Tage lang zweimal täglich eine Reihe von 20-Hertz-Magnetpulsen auf ihren Schläfenlappen – dem Sitz wichtiger Areale der Sprachverarbeitung. 33 weitere Patienten erhielten nur eine Scheinbehandlung.
Es zeigte sich: Trafen die Magnetpulse ein bestimmtes Gebiet am Kreuzungspunkt zweier Furchen am Oberrand des Schläfenlappens, besserte sich das Stimmenhören bei den Patienten deutlich. Selbst zwei Wochen nach der Behandlung waren knapp 35 Prozent der Teilnehmer weitgehend frei von den akustischen Halluzinationen, wie die Forscher berichten. In der Kontrollgruppe mit der Scheinbehandlung erlebten dagegen nur neun Prozent eine Besserung. “Das bedeutet zweierlei: Zum einen könne wir damit nun mit einiger Sicherheit sagen, dass wir ein spezifisches anatomisches Areal identifiziert haben, das mit dem Stimmenhören verknüpft ist”, sagt Dollfus. “Zum anderen haben wir erstmals gezeigt, dass eine Behandlung dieses Areals mit TMS die Symptome zumindest bei einigen Betroffenen lindern kann.”
Noch ist dies nur eine Pilotstudie mit relativ wenigen Patienten – und auch nur einer bescheidenen Erfolgsquote. Dennoch machen diese Ergebnisse Hoffnung darauf, dass die relativ schonende und nebenwirkungsarme Behandlung mit Magnetpulsen in Zukunft das Leiden von stimmenhörenden Schizophrenie-Patienten lindern könnte. “Um aus diesem Ansatz eine Therapie zu machen, benötigen wir noch weitere Studien wie die von Dollfus und ihren Kollegen”, kommentiert Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. “Aber auch wenn die Reaktionsraten noch nicht so hoch waren, wäre das TMS eine willkommene Ergänzung zum therapeutischen Repertoire – vor allem bei Patienten, die nicht auf eine medikamentöse Behandlung ansprechen.”





