In einer berühmten Anekdote, deren Wahrheitsgehalt aufgrund jüngerer Archivforschungen als sehr hoch angesetzt wird, schildert Ascanio Condivi, Schüler und später erster Biograph Michelangelos, wie der Malerlehrling Francesco Granacci 1490 den damals 15-jährigen Michelangelo eines Tages in den Garten Lorenzos des Prächtigen führte. Michelangelo war von den dort aufgestellten antiken Statuen anscheinend so begeistert, dass er danach eine Zeitlang täglich den Garten besuchte. Besonders die antike Büste eines alten, langbärtigen Fauns, die er in Marmor kopieren durfte, hatte es Michelangelo angetan. Er rekonstruierte den im antiken Original bereits etwas verwitterten, lachenden Mund, indem er die Mundhöhle mit jedem einzelnen Zahn auf das Genaueste wiedergab.
Als Lorenzo de’ Medici das Werk des jugendlichen Bildhauers sah, war er begeistert. Er wies Michelangelo aber im Spaß darauf hin, dass ein greiser Faun im Lauf seines Lebens doch mindestens einen Zahn verloren haben müsse. Kaum hatte der Florentiner Herrscher dem angehenden Künstler den Rücken gekehrt, ergriff Michelangelo umgehend Meißel und Drillbohrer, schlug seinem Marmorfaun einen Zahn aus und bohrte an der Stelle, an welcher die Wurzel aus dem Zahnfleisch gezogen worden wäre, ein Loch. Der amüsierte und verblüffte Lorenzo lud Michelangelo daraufhin ein, in seinen Haushalt einzutreten. Bis zum Tod Lorenzos zwei Jahre später soll Michelangelo im Palast der Medici gewohnt und mit anderen Künstlern, Philologen und Philosophen Umgang gepflegt haben. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 03/2013.
Dr. Eike D. Schmidt




