Die Archäologie beginnt immer mit Fragen – manchmal wohl aber auch mit Intuitionen oder gar fertigen Antworten. Wer bereits weiß, in welche Richtung er das Aufgefundene interpretieren möchte, der wird in den Steinen „finden“, was er sucht. Auch in der Biblischen Archäologie ist dieses Problem immer wieder anzutreffen. Ihre Anfänge waren von einer Überbewertung des historischen Wahrheitsgehalts der alttestamentlichen Texte geprägt, da man meinte, durch die Archäologie die Wahrheit der Bibel belegen zu können.
So auch im Fall von David und Salomo. Von deren wundersam großem Reich, dem vereinigten Königreich Israel (im Norden) und Juda (im Süden), wurden bereits 1925 bis 1939 in Megiddo vermeintliche Spuren durch die amerikanische „Chicago Expedition“ aufgefunden: Pferdeställe (Pfeilerhäuser mit Futtertrögen und Durchlochungen zum Anbinden von Tieren), ein Stadttor aus sechs Kammern, das den Toren von Hazor und Gezer ähnelte, sowie eine 820 Meter lange Stadtmauer. Dieses Megiddo war also eine der Reichsstädte, über die König Salomo ein ganzes Menschenalter – also volle 40 Jahre – herrschte. Die „Chicago Expedition“ fand, was im Alten Testament zu lesen war: „… König Salomo hatte Fronarbeiter ausgehoben zum Bau des Tempels, seines Palastes, des Millo und der Mauern von Jerusalem, Hazor, Megiddo und Gezer. Salomo baute … alle Vorratsstädte, die ihm gehörten, die Städte für die Wagen und ihre Mannschaft …“ (1. Buch der Könige 9, 15 –19). Nun schien der biblische Bericht bestätigt und durch archäologische Funde belegt.
Doch die Harmonie zwischen dem Text und den Ausgrabungsergebnissen hielt nicht lange an. Die Zuordnung zwischen beiden musste in Megiddo ein erstes Mal korrigiert werden, als der berühmte israelische Ausgräber Yigael Yadin aufgrund von Keramikstudien und seiner Grabungen in den 1960er Jahren die von der „Chicago Expedition“ in eins geworfenen Ausgrabungsschichten von der Ära Salomos bis zur assyrischen Eroberung 722 v. Chr. überprüfte und sie zwei Bauperioden zuteilte: der Zeit Salomos im 10. Jahrhundert v. Chr. und der Epoche der omridischen Dynastie Israels im 9. Jahrhundert v. Chr. Die Stadtbefestigungen, die Wasseranlage und die Pferdeställe wurden nun später datiert, nämlich in die Zeit nach dem Wiederaufbau des vom ägyptischen Pharao Schoschenq I. (945 – 924 v. Chr.) im Jahr 926 v. Chr. zerstörten Megiddo, in dem Yadin eine Streitwagen-Garnison vermutete. Heute tritt Israel Finkelstein von der Universität Tel Aviv mit guten Gründen für eine noch spätere Datierung ein.
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 12/2012.
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Dieter Vieweger




