Im 16. Jahrhundert war Augsburg eine der größten Städte des Heiligen Römischen Reiches und einer der führenden Handels- und Bankenplätze Europas. Augsburger Kaufleute finanzierten Expeditionen nach Indien und Südamerika, gewährten Kaisern, Königen und Fürsten Darlehen und kontrollierten einen beträchtlichen Teil der europäischen Silber- und Kupferproduktion. Nicht wenige große Kaufleute und Bankiers machten allerdings auch die Erfahrung, daß Reichtum vergänglich war und riskante geschäftliche Unternehmungen scheitern konnten.
Zwischen dem ausgehenden 15. Jahrhundert und dem Beginn des Dreißigjährigen Krieges gingen zahlreiche Handelshäuser pleite; zeitweise erlebte das „reiche Augsburg“ regelrechte Konkurswellen. Der Ratsdie-ner und Chronist Paul Hektor Mair (1517–1579) erstellte eine Liste von über 70 Personen und Firmen, die zwischen 1545 und 1575 in Augsburg Bankrott machten. Obwohl längst nicht alle Bankrotteure zu den führenden Großkaufleuten und Bankiers der Stadt gehörten, zeigt Mairs Liste dennoch, wie allgegenwärtig geschäftliches Scheitern war. Dem Historiker verrät das Studium dieser Konkursfälle viel über die Risiken von Handels- und Finanzgeschäften sowie über ökonomische Normen und Verhaltensweisen in der frühen Neuzeit.
Obwohl der Name Fugger zum Synonym für den Erfolg reichsstädtischer Handelsherren geworden ist, waren selbst Mitglieder dieser prominentesten Augsburger Familie nicht gegen Zahlungsunfähigkeit gefeit. Eine der beiden im 15. Jahrhundert in Augsburg nachweisbaren Linien, die „Fugger vom Reh“, schied bereits vor 1500 durch den Bankrott Lukas Fuggers aus der kaufmännischen Führungsschicht der Reichsstadt aus. Mitglieder dieses Zweigs arbeiteten im 16. Jahrhundert als Goldschmiede, Kürschner und Handelsdiener. Von den Angehörigen der wirtschaftlich bedeutenderen Linie der „Fugger von der Lilie“ mußte sich Anton Fuggers Neffe Hans Jakob (1516–1575) aufgrund seiner hohen Schulden 1563 aus der Firmenleitung zurückziehen und Augsburg verlassen. Der humanistisch gebildete und vielseitig interessierte Patrizier ging nach München, wo ihn Herzog Albrecht V. zum Rat und 1573 sogar zum Präsidenten der Hofkammer ernannte. Auch Hans Jakobs Bruder Ulrich Fugger überschuldete sich und flüchtete 1562 aus Augsburg.
Viel häufiger als die Insolvenz von Familienmitgliedern erlebten die Fugger jedoch den Zusammenbruch von Geschäftspartnern und Konkurrenten. Großes Aufsehen erregte 1529 die Zahlungsunfähigkeit der zeitweilig schärfsten Rivalin der Fugger im Metallgeschäft, der Hoechstetter-Gesellschaft. Unter der Leitung Ambrosius Hoechstetters d. Ä. war die zunächst vor allem im Textil- und Gewürz?handel tätige Firma zu Beginn des 16. Jahrhunderts in das Montangeschäft eingestiegen. Auf den Bau einer Kupfer- und Messinghütte am Stainenberg bei Pflach (1509) folgten weitere Schmelzbetriebe und Bergwerksunternehmen in Tirol, Sachsen und Böhmen sowie erste Sondierungen im englischen Bergbau…




