Und das scheint, glaubt man einer wissenschaftlichen Studie der Universität Mainz, tatsächlich der Fall zu sein. Unter der Leitung der Professoren Norbert Pfeiffer und Alireza Mirshahi haben Forscher der dortigen Augenklinik eindeutige Belege dafür gefunden, dass Menschen mit einer längeren Schul- und Studienzeit und einem daraus resultierenden höheren Bildungsgrad signifikant häufiger und ausgeprägter kurzsichtig sind als weniger „Belesene“. Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Mainzer Wissenschaftler die Sehstärke von 4658 Menschen im Alter von 35 bis 74 Jahren. Dabei erwies sich mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen als kurzsichtig, während bei den Probanden ohne höhere Schulbildung nur jeder Vierte von der Sehschwäche betroffen war.
„Ursache dafür ist vermutlich die häufige Naharbeit, die den Alltag der meisten Studierenden bestimmt“, kommentiert Pfeiffer den Befund. „Denn offensichtlich trägt stundenlanges Lesen zur Verschlechterung des Sehvermögens bei.“ Das lässt sich laut Frank Schaeffel, Professor am Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen, sogar quantifizieren: „Jedes zusätzliche Ausbildungsjahr macht im Mittel eine halbe Dioptrie mehr aus.“
In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Anzahl der Kurzsichtigen in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen hat. In den Industrienationen der Welt ist mindestens ein Drittel der Bevölkerung auf Brille, Kontaktlinsen oder Augenlasern angewiesen, um weiter Entferntes erkennen zu können – in manchen asiatischen Großstädten sind es sogar fast 90 Prozent. Mit genetischen Faktoren lässt sich das nicht erklären, darüber sind sich die Wissenschaftler einig. Vielmehr scheinen Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle zu spielen. Dazu muss man wissen, dass die Ursache der Kurzsichtigkeit (Myopie) ein zu langer Augapfel ist. Der führt dazu, dass sich ins Auge fallende parallele Lichtstrahlen nicht erst wie bei einem gesunden Auge auf der Netzhaut, sondern schon ein Stück weiter vorne bündeln. Mit der Folge, dass der Betroffene weiter entfernte Objekte verschwommen sieht.
Aktuelle Studien belegen allerdings, dass Schüler, die sich viel im Freien aufhalten, seltener von Kurzsichtigkeit betroffen sind als notorische Stubenhocker. Das liegt nach Ansicht von Experten wahrscheinlich daran, dass sich helles Tageslicht regulierend auf das Augenwachstum auswirkt. Menschen, die in Schule, Studium oder Beruf über lange Zeiträume Nahgelegenes fixieren, also etwa stundenlang lesen, sollten daher möglichst viel Zeit im Freien verbringen und so oft wie möglich den Blick in die weitere Umgebung schweifen lassen. Vielleser sollten sich angewöhnen, das alle 30 Minuten zu tun.





